Beiträge und CVs

Sie finden hier in alphabetischer Reihenfolge die Vortragenden, die Kurzbeschreibung ihrer Beiträge und biografische Angaben. Zur schnellen Orientierung empfehlen wir die „Suche-Funktion“. Den Zeitpunkt des jeweiligen Beitrags entnehmen Sie bitte dem Programm.

  • Amann, Karina

Das Regensburger Archiv für Werbeforschung (RAW) als Lehr- und Forschungsfeld für die Sprecherziehung/Sprechwissenschaft (Vortrag)

Seit 2003 werden an der Regensburger Universitätsbibliothek unter Leitung von Frau Gerber und wissenschaftlicher Betreuung von Frau Prof. Dr. Reimann verschiedene Sammlungen zu Werbespots archiviert.
Bisher sind zwei Sammlung digital über eine Suchmaske zugänglich:
Das Historische Werbefunkarchiv (HWA) umfasst eine einzigartige Sammlung von Werbefunksendungen aus den Jahren 1948 bis 1987. Rund 50.000 Werbespots unterschiedlichster Marken wie Alete, Bärenmarke, Caro, Maggi, Persil, Thomy, Sarotti, Zentis und viele andere gehören zum Bestand.
Die zweite digitalisierte Sammlung umfasst über 500 Werbeschallplatten der 1950er bis 1980er Jahre von Christian Spremberg. Das Medium „Werbeschallplatte“ ist heute fast nicht mehr bekannt und wurde vor allem in den 1950er und 1960er Jahren als Beilage zu Zeitschriften, als Zugabe zu Produkten oder als Werbegeschenk für besondere Berufsgruppen verteilt.
Da es ausgesprochen schwierig ist, Werbespots früherer Jahrzehnte als Forschungsgrundlage zu bekommen – Material wurde von Unternehmen oder Werbeagenturen vielfach nicht aufbewahrt -, stellt das Archiv eine einmalige Chance dar, verschiedene Desiderata in der Werbesprachforschung anzugehen, beispielsweise
•        Methodik der Hörfunkwerbung
•        Studien zum Dialektgebrauch
•        Mündlichkeit und Schriftlichkeit von Funkspots
•        Analyse im zeitgeschichtlichen Kontext der Rundfunkwerbung nach 1945
•        Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Werbung für ein Produkt unterschiedlicher Firmen
•        Konstanz und Veränderung der Werbung eines Unternehmens
•        Untersuchung des so genannten „Media-Mix“ (z. B. Hörfunk, Fernsehen, Print)
Besonders wertvoll ist die häufig noch vorhandene metasprachliche Komponente, das heißt, die Bänder enthalten zusätzlich Regieanweisungen, Kommentare von Sprechern, verkaufsstrategische Hinweise für Händler; außerdem wurden zum Teil „Fehlversuche“, also Probeaufnahmen (Layout-Spots), aufbewahrt bzw. sind neben den gesendeten Spots auch die – aus unterschiedlichen Gründen – ausgemusterten vorhanden. All das sind wichtige Informationen über die Entstehung der Werbemittel, die zu einem besseren Verständnis der Spots sowie zu adäquaten Interpretationen beitragen. Weiterführender Link: http://raw.uni-regensburg.de/

Karina Amann studierte von 1997 – 2003 Diplom-Pädagogik und absolvierte die
Ausbildung zur Sprecherzieherin (Univ.) bei Dr. Dieter Allhoff.
Erste praktische Erfahrungen sammelte sie in der Führungskräftequalifizierung
bei einer Bank, einem Automobilhersteller und bei einer Unternehmensberatung.
Im Anschluss arbeitete sie mit arbeitslosen Jugendlichen.
Dann folgte die Selbständigkeit mit wechselnden Auftraggebern. Nach einer
Familienphase (2 Söhne, jetzt 6 und 8) vor 4 Jahren der Wiedereinstieg bei
einem regionalen Weiterbildungsanbieter.
Seit März 2015 an der Universitätsbibliothek Regensburg mit den
Aufgabengebieten Didaktik, Informationskompetenz und Regensburger Archiv für
Werbeforschung.

  • Böhme, Grit

„Warum ich bei SAW immer denke, die reden Bullshit“ – Angemessenheitskriterien bei jungen Radiohörern. (Vortrag im Panel „Radio-sprechen-hören. Aktuelle sprechwissenschaftliche Forschungen zu Moderation und Nachrichten im Radio.“)

RadiohörerInnen erkennen oft schon nach wenigen Sekunden, welchen Sender oder zumindest welche Art von Format sie gerade eingeschaltet haben. Die ModeratorInnen scheinen eine wichtige Rolle dabei zu spielen, einen wiedererkennbaren, typischen „Sound“ eines Senders herzustellen. Aber was nehmen die HörerInnen daran überhaupt als typisch wahr? Und wie würden sie diesen Eindruck beschreiben? Das vorgestellte Projekt zielt darauf ab, ein Beschreibungsprofil für die typische Moderation eines Radiosenders aus der Sicht seiner HörerInnen zu erstellen. Um dies zu erreichen, wurde ein Ansatz gewählt, der die Vorteile von qualitativen und quantitativen Verfahren miteinander verbindet. Sein Kernstück ist eine modifizierte Version der Repertory-Grid-Methode: Die Untersuchungsstimuli waren Moderationsausschnitte des öffentlich-rechtlichen Jugendradios MDR Sputnik und Moderationen anderer Sender, die in derselben Region zu empfangen sind. In semi-strukturierten Interviews wurden Sputnik-HörerInnen jeweils immer drei Stimuli hintereinander vorgespielt (in zufälliger Reihenfolge, aber mit mindestens einer Sputnik-Moderation darunter). Nach dem Hören wurden sie gefragt, welche zwei der drei Moderationen sie ähnlicher zueinander finden und welche sich ihrem Eindruck nach unterscheidet. Diese Ähnlichkeiten und Unterschiede sollten sie daraufhin in eigenen Worten beschreiben. 32 Sputnik-HörerInnen wurden auf diese Weise zu je 16 solcher „Triaden“ interviewt. Die Auswertung basierte auf der Grounded Theory.

Die Angemessenheit der Moderationen ist für die Befragten ein wichtiges Thema, das eng mit der Wahrnehmung von Authentizität in Verbindung steht. Dabei spielen insbesondere die Alters-Angemessenheit und die Selbstverortung („die klingen so wie ich“) eine wichtige Rolle. Im Vortrag sollen einige Beispiele hierzu präsentiert werden. Diese sollen darüber hinaus verglichen werden mit ersten Ergebnissen einer weiteren Untersuchung, in der HörerInnen eines Kulturradios, das in derselben Region wie MDR Sputnik sendet, zu denselben Stimuli interviewt wurden. Diese HörerInnen sind von Alter und Bildungsgrad mit den befragten Sputnik-HörerInnen vergleichbar – allerdings scheinen beide Gruppen sehr unterschiedliche Kriterien zu haben, wann eine Radiomoderation für sie angemessen ist.

Grit Böhme hat an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Sprechwissenschaft und Psychologie studiert. Seit 2011 promoviert sie dort am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik im Rahmen des Forschungsprojekts „Radio Ästhetik – Radio Identität“ bei Prof. Dr. Ines Bose. Von 2012 bis 2015 wurde sie dabei von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Daneben führt sie gemeinsam mit drei weiteren Doktorandinnen einen Blog zum Thema „Klang und Identität“ (www.klangidentitaet.de).

  • Borbach, Christoph

Sirenenrekursion. Aisthesis und Theorie synthetischer Stimmen. (Vortrag)

Die menschliche Stimme galt jahrhundertelang als Beweis und Beleg für die Präsenz des Menschen. In Aristoteles´ Schrift De Anima heißt es, die Stimme sei der Klang eines beseelten Lebewesens und noch Roland Barthes schrieb, “es gibt keine neutrale Stimme”. Dem fügte er allerdings einen bedeutenden Halbsatz hinzu: “wenn jedoch das Neutrale, die Farblosigkeit der Stimme erscheint, ist es für uns ein großer Schrecken“ (Barthes: La musique, la voix, la langue). Die Eskalation von entkörperlichter hin zur entpersonalisierten Stimme ist ein solcher Schrecken, eine traumatische Irritation, eine Rekursion der Sirenen unter den Bedingungen (hoch)technischer Medien.
Sprachsynthese, die künstliche Erzeugung und nicht bloße Reproduktion menschlicher Sprache ist heutzutage Bestandteil des menschlichen Alltags. Im Kontrast zum z.B. Vocoder nutzt Sprachsynthese die menschliche Stimme meist nicht als Material und dramatisiert somit das antike Sirenenmotiv. Daher sind synthetische Stimmen nicht lediglich entkörperlicht, sondern vielmehr “entpersonalisiert”. Ausgehend von Sprachsynthese als Sprachanalyse und ihren physikalischen Analogien des menschlichen Sprachapparats im ausgehenden 18. Jahrhundert über die Eskalation eines technischen Äquivalents menschlicher Sprache hat sich die Intention und Medientechnik der Sprachsynthese diverse Male geändert. Der Vortrag wird das Phänomen der synthetischen Stimme fokussieren und dieses als Eskalation des historisch bekannten und wohlvertrauten Konzepts der menschlichen Stimme betrachten.

Christoph Borbach studierte Medien-, Musik- und Geschichtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bachelorarbeit zum medienarchölogischen Vergleich von Radiotheorien, Masterarbeit zur Operationalisierung des Echophänomens zur Ortung und weiteren technischen Echo-Implementierungen. Mehrjährige Tätigkeit am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte und Medientheorien der Humboldt-Universität zu Berlin, hierbei Co-Organisation und Betreuung diverser (internationaler) Konferenzen.

  • Bose, Ines  (Antwort bzw. Co-Referentin Plenumsvortrag von Golo Föllmer)

Radio, Sound und Rhetorik.
Radioästhetische Analyse aus rhetorischer Perspektive

Der Vortrag skizziert, inwieweit rhetorische Theorie zur ästhetischen Analyse aktueller Radioformate genutzt werden kann. Als Beispiel dient der interdisziplinäre Ansatz des informellen Forschungsnetzwerks „Radioästhetik — Radioidentität“ zur empirischen Erforschung der ‚Anmutung‘ des Radios. Unter Anmutung wird die klangliche Gesamterscheinung eines Senders, Formats oder Programms verstanden, die bei Radiohörern einen spontanen, unreflektierten Eindruck, eine gefühlsmäßige Bewertung erzeugt und sie – im besten Falle – einlädt weiterzuhören. Voraussetzung für einen adäquaten Adressatenzuschnitt im Radio ist, dass Radiomacher bei der Anmutungsherstellung das (vermeintliche) Wissen und die (vermeintlichen) Erwartungen, Interessen und Einstellungen konkreter Hörergruppen berücksichtigen. Insofern lässt sich Radio als rhetorische Praxis beschreiben.

Im Vortrag wird gezeigt, wie theoretische Modelle der Rhetorik auf die kommunikationstypologischen Hybride des Radios, also auf Kombinationen aus sprachlichen und nichtsprachlichen Mitteln, übertragen werden können. Dabei werden medien- und musikwissenschaftliche Fragestellungen (Golo Föllmer) mit sprechwissenschaftlichen (Ines Bose) verknüpft:

–       Zunächst wird diskutiert, welche rhetorische Bedeutung medientechnische Apparate und Dispositive besitzen können und inwiefern sich technisch geprägte Produktionschemata rhetorischer Muster bedienen.

–       Anschließend wird am Beispiel sogenannter Verpackungselemente wie Station ID oder Bumper erörtert, welche Rolle Prinzipien der musikalischen Rhetorik bei der Strukturierung und Aufmerksamkeitslenkung im Radioprogramm spielen können und inwiefern musikalisch-klangliche und sprachliche Elemente nach rhetorischen Prinzipien interagieren.

–       Schließlich wird anhand des standardisierten Sendeelements ‚Three-Element-Break‘ in Unterhaltungssendungen verschiedener Länder gezeigt, wie zur wirkungsvollen Gestaltung der Kontrast zwischen sprachlicher Knappheit (brevitas) und klanglichem Aufwand (ornatus) genutzt wird.

Die übergreifende These lautet, dass Rhetorik nicht nur auf die sprachlich-sprecherische Gestaltung von Alltagsradio bezogen werden kann, sondern weit in apparative, produktionstechnische und den Sendeablauf bestimmende Strukturen hinein wirksam ist. Rhetorische Theorie kann somit das Verständis medienästhetischer Formationen umfassend erweitern.

Ines Bose, Diplom-Sprechwissenschaftlerin, Prof. Dr. phil. habil. am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universität Halle (Saale). Studium der Sprechwissenschaft in Verbindung mit Germanistik, Promotion 1989 mit einer Arbeit zur phonetisch orientierten Forschung frei gesprochener Sprache, Habilitation 2003 mit einer Arbeit zum Sprechausdruck in kindlicher Spielkommunikation. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: rhetorische Kommunikation, insbes. Medien- und Gesprächsrhetorik, Phonetik der deutschen Sprache, Entwicklung kindlicher Kommunikationsfähigkeiten. Fortbildungstätigkeit: Trainings und Coachings zu Sprache und Sprechen in den Medien, zur sprechwissenschaftlichen Leselehre, Trainings zur Phonetik, Gesprächs- und Rederhetorik sowie Sprecherziehung im Fremdsprachenunterricht Deutsch.

  • Dehé, Nicole (mit Kati Hannken-Illjes und Barbara Schlücker)

Literatur lesen und hören. (Vortrag)

Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive steht die Frage nach den funktionalen Unterschieden zwischen geschriebenem Text und Hörbuch und dem Verhältnis zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit im Mittelpunkt. Dabei geht es um Interpretationsmechanismen von Texten, die aus syntaktischer Sicht als schwierig gelten können. Das sind beispielsweise Texte, die syntaktisch sehr komplex oder ambig sind, oder Texte mit Unterspezifikationen auf Diskursebene, d.h. Textstrukturen, die wenig Kohäsionsmittel aufweisen.

Wir stellen uns u.a. die Frage, ob solche Texte in gesprochener Form aufgrund der zusätzlichen Möglichkeiten der gesprochenen Sprache, d.h. prosodisch-intonatorische Mitteln wie Betonung, Pausen, Sprechtempo etc. sowie der stimmlichen Charakteristika, einen funktionalen Mehrwert gegenüber dem schriftsprachlichen Text aufweisen. Ein solcher Mehrwert könnte darin bestehen, dass die Interpretation durch den Hörer schneller erfolgt und/oder „besser“, d.h. weniger fehlerhaft ist. Zudem ist es möglich, dass die Motivation, sich mit dem Text auseinanderzusetzen, sich zwischen selbstgelesenem und gehörtem Text unterscheidet.

Dem Sprecher käme in diesem Fall eine zentrale Rolle für das Hörverständnis zu, da die Verstehensleistung des Hörers direkt von der Interpretation des geschriebenen Texts durch den Sprecher und dessen prosodisch-intonatorischer Realisierung abhängt. Als ein funktionaler Mehrwert des geschriebenen gegenüber dem gesprochenen Text könnte andererseits die Möglichkeit des Lesers betrachtet werden, den Interpretationsprozess durch individuelle, punktgenaue Anpassung des Lesetempos und durch mehrfaches Lesen selbst zu steuern. Hinzu kommt, dass gesprochene Texte schon als Interpretation zu werten sind und so Ambiguität, die als literarisches Mittel fungiert, auflöst und damit eine Verstehensebene löscht.

Didaktische Fragestellung

Die Frage nach einem möglichen Mehrwert von Hörbüchern gegenüber schriftsprachlichen Texten ist auch in Hinblick auf didaktische Zielsetzungen relevant. So stellt die Lektüre literarischer Texte im Deutschunterricht viele Schüler und Schülerinnen bekanntermaßen vor große Probleme. Dies gilt insbesondere auch für Texte aus älteren Sprachstufen.

In unserem Projekt soll daher das Verständnis gelesener und gesprochener literarischer Texte auf Speichermedium im muttersprachlichen Deutschunterricht untersucht werden. Dabei orientieren wir uns an Texten, die im Deutschunterricht häufig verwendet werden und die sich in der Praxis in Hinblick auf das rein sprachbezogene Textverständnis (d.h. nicht unbedingt auch auf die darüber hinausgehende Interpretation) als problematisch erwiesen haben.

 Die aktuelle Studie

Konkret geht es bei der laufenden Studie um die beiden Novellen Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist und Kleider machen Leute von Gottfried Keller, d.h. einem sprachlich eher schwierigen Text im Vergleich zu einem leichteren. Die Untersuchung bezieht sich auf Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse.

Nicole Dehé, Professorin für Allgemeine Sprachwissenschaft an der Universität Konstanz. Studium in Göttingen, Promotion 2002 an der Universität Leipzig, danach an den Universitäten Braunschweig, London (University College London) und Berlin (HU und FU) tätig; Habilitation an der FU Berlin 2009. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: Prosodie, Syntax, Syntax-Prosodie-Schnittstelle, Prosodie-Diskurs-Schnittstelle, Prosodie und Grammatikalisierung, Intonation; Sprachenschwerpunkte: Englisch und Isländisch, außerdem Deutsch und andere Germanische Sprachen

  • Dietrich, Katja

Sprechstil und Formatanpassung von vorproduzierten Nachrichten im Privatradio. (Vortrag im Panel „Radio-sprechen-hören. Aktuelle sprechwissenschaftliche Forschungen zu Moderation und Nachrichten im Radio“)

Private Radiosender unterliegen in Deutschland aufgrund der hohen Anzahl an Stationen einem großen wirtschaftlichen Zwang. Sendeinhalte werden deshalb immer häufiger von Fremdfirmen zugekauft. Auch die Nachrichten werden mehr und mehr zum Produkt redaktionsfremder Dienstleister.
 So werden diese von den Radiosendern häufig nicht mehr selbst produziert, sondern die Herstellung wird komplett oder in Teilen ausgelagert. In Spezialredaktionen sog. Content-Dienstleister entstehen für den Kunden individualisierte und formatangepasste Nachrichten, die als sendefertige Programmbausteine in den Sendeablauf integriert werden.
Wie arbeiten diese Agenturen? Wie aktuell und kundenindividuell sind vorproduzierte Nachrichten im Programm der einzelnen Kundensender aufbereitet? Auch die Frage nach der Authentizität der Nachrichtensprecher wird in diesem Zusammenhang aufgeworfen.
Der Tagungsbeitrag gibt Einblicke in die Arbeitsabläufe von Nachrichten-Dienstleistern und präsentiert im Panel „Radio-sprechen-hören“ eine besondere Produktionsform von Radionachrichten: die vorproduzierten Nachrichten. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage, wie die Dienstleister mit der Aufgabe umgehen, die in Masse produzierten Meldungen an den individuellen Programmstil der einzelnen Kunden anzupassen. Besonderes Augenmerk gilt dabei auch dem zielgruppengerechten Sprechstil, der im Vergleich von Erwachsenennachrichten und Jugendnachrichten dargestellt wird.

Katja Dietrich, MA Sprechwissenschaftlerin, arbeitet als Nachrichtensprecherin- und Redakteurin für das Unternehmen Regiocast. Als Dienstleister im Bereich Nachrichtenservices produziert das Unternehmen die Nachrichten für dutzende private Radiosender in Deutschland. Im Rahmen dieser Tätigkeit entstand Anfang des Jahres ihre MA-Abschlussarbeit zum Thema „Sprechstil und Formatanpassung von vorproduzierten Nachrichten im Privatradio“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Arbeit ist Teil des interdisziplinären Forschungsprojekts „Radio-Ästhetik – Radio-Identität“ bei Prof. Ines Bose.

  • Finke, Clara Luise

„Die Welt geht unter, aber wir moderieren weiter“ – Radio-Moderationen zum Thema „Weltuntergang“ im Sendervergleich. (Vortrag im Panel „Radio-sprechen-hören. Aktuelle sprechwissenschaftliche Forschungen zu Moderation und Nachrichten im Radio“)

Radiomoderation ist eines der konstitutiven Elemente in Hörfunksendungen. In Zeiten technischer Veränderungen sind die einzelnen Radiosender einer großen Konkurrenz ausgesetzt. Sie müssen noch stärker als bisher ein klares Senderprofil haben und eine konkrete Hörerzielgruppe ansprechen, um sich von der Masse der Radiosender abzuheben und auf dem Markt bestehen zu können. Das Programmelement „Moderation“ stellt dabei einen zentralen Faktor dar. So ist auf Tagungen von Radioschaffenden immer wieder zu hören: „Musikauswahl? Nein, deswegen schalten Hörer nicht ein. Viel wichtiger sind die Moderatoren-Personalities!“ Und dabei wird nichts dem Zufall überlassen: Die Moderator_innen inszenieren sich als „authentisches Selbst“ – so wie sie meinen, dass es zu jener Zielgruppe passt, die ihr Sender ansprechen will.

Im Vortrag werden Moderationen verschiedener Sender aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenübergestellt. Sie stammen aus einem Korpus, das themengebunden erhoben wurde. D.h. dass die 78 enthaltenen Sender parallel zu einem Zeitpunkt erhoben wurden zu dem alle Sender über ein und dasselbe Thema sprachen: den Weltuntergang (bzw. das Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012). Anhand von Analysen der konzeptionell-strukturellen, sprachlichen und stimmlich-sprecherischen Gestaltung der Moderationen lässt sich aufzeigen, welches Selbstbild die einzelnen Sender haben, für welche Zielgruppe sie senden und ob bzw. worin sich einzelne Sender von anderen Sendern unterscheiden.

Clara Luise Finke: MA Sprechwissenschaftlerin, studierte von 2006 bis 2012 Sprechwissenschaft und Phonetik an der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg. Von 2009 bis 2012 arbeitete sie als Redakteurin beim Mitteldeutschen Rundfunk. Seit 2010 arbeitet sie als Trainerin an der Europäischen Akademie Otzenhausen und als Dozentin an der MLU. Seit Januar 2013 ist sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und promoviert zum Thema Morningshow-Moderationen im gegenwärtigen Radio. Gemeinsam mit drei weiteren Doktorandinnen führt sie einen Blog zum Thema „Klang und Identität“ (www.klangidentitaet.de).

  • Föllmer, Golo (Plenumsvortrag zusammen mit Ines Bose)

Radio, Sound und Rhetorik.
Radioästhetische Analyse aus rhetorischer Perspektive

Der Vortrag skizziert, inwieweit rhetorische Theorie zur ästhetischen Analyse aktueller Radioformate genutzt werden kann. Als Beispiel dient der interdisziplinäre Ansatz des informellen Forschungsnetzwerks „Radioästhetik — Radioidentität“ zur empirischen Erforschung der ‚Anmutung‘ des Radios. Unter Anmutung wird die klangliche Gesamterscheinung eines Senders, Formats oder Programms verstanden, die bei Radiohörern einen spontanen, unreflektierten Eindruck, eine gefühlsmäßige Bewertung erzeugt und sie – im besten Falle – einlädt weiterzuhören. Voraussetzung für einen adäquaten Adressatenzuschnitt im Radio ist, dass Radiomacher bei der Anmutungsherstellung das (vermeintliche) Wissen und die (vermeintlichen) Erwartungen, Interessen und Einstellungen konkreter Hörergruppen berücksichtigen. Insofern lässt sich Radio als rhetorische Praxis beschreiben.

Im Vortrag wird gezeigt, wie theoretische Modelle der Rhetorik auf die kommunikationstypologischen Hybride des Radios, also auf Kombinationen aus sprachlichen und nichtsprachlichen Mitteln, übertragen werden können. Dabei werden medien- und musikwissenschaftliche Fragestellungen (Golo Föllmer) mit sprechwissenschaftlichen (Ines Bose) verknüpft:

–       Zunächst wird diskutiert, welche rhetorische Bedeutung medientechnische Apparate und Dispositive besitzen können und inwiefern sich technisch geprägte Produktionschemata rhetorischer Muster bedienen.

–       Anschließend wird am Beispiel sogenannter Verpackungselemente wie Station ID oder Bumper erörtert, welche Rolle Prinzipien der musikalischen Rhetorik bei der Strukturierung und Aufmerksamkeitslenkung im Radioprogramm spielen können und inwiefern musikalisch-klangliche und sprachliche Elemente nach rhetorischen Prinzipien interagieren.

–       Schließlich wird anhand des standardisierten Sendeelements ‚Three-Element-Break‘ in Unterhaltungssendungen verschiedener Länder gezeigt, wie zur wirkungsvollen Gestaltung der Kontrast zwischen sprachlicher Knappheit (brevitas) und klanglichem Aufwand (ornatus) genutzt wird.

Die übergreifende These lautet, dass Rhetorik nicht nur auf die sprachlich-sprecherische Gestaltung von Alltagsradio bezogen werden kann, sondern weit in apparative, produktionstechnische und den Sendeablauf bestimmende Strukturen hinein wirksam ist. Rhetorische Theorie kann somit das Verständis medienästhetischer Formationen umfassend erweitern.


Golo Föllmer, Forschung zu Klangkunst, zeitgenössischer Musik, Radio und ak sonambiente (AdK Berlin 1996), RadioREVOLTEN (Radio Corax, Halle 2006) und SoundExchange (Mittelosteuropa 2011-12). 2002 Promotion über Netzmusik am Institut für Musikwissenschaft, 2007-2013 Juniorprofessor, jetzt PD mit Schwerpunkt Audiokulturforschung am Dept. Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Halle. Seit 2010 Leiter des weiterbildenden Master-Studiengangs Online Radio. Seit 2013 Leiter des EU-Forschungsprojekts Transnational Radio Encounters, wo er die Bedeutung ästhetischer Merkmale von Radioprogrammen untersucht.

  • Frisch, Tina (mit Julia-Toni Reiche und Constanze Müller)

Bewertungskriterien für das Debattenformat „MüKomm“ (Workshop)

Die Bildungsstandards im Fach Deutsch fordern den Kompetenzerwerb im Bereich Sprechen und Zuhören, machen jedoch ausgerechnet in diesem wenig beforschten und in der Schule oft stiefmütterlich behandelten Feld keine Vorschläge zu Lern- und Prüfungsaufgaben. Die folgenden Ausführungen wollen hier Abhilfe schaffen, indem das herkömmliche Debattenformat deutschdidaktisch und sprechwissenschaftlich aufbereitet wurde, sodass schließlich die mündliche Kommunikationskompetenz im Allgemeinen diagnostiziert und beschrieben werden kann. In unserem 90-minütigen Workshop wird dieses Debattenformat „MüKomm“ vorgestellt und durchgeführt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit den eigens für die „MüKomm“ konzipierten Bewertungsbogen während der Debatte zu testen und im Anschluss ihre Eindrücke in Form von Feedback zu äußern und Fragen zu stellen.

Tina Frisch (Jg 1990) studierte nach einem Auslandsjahr in Kanada BA Sprechwissenschaft an der Martin-Luther Universität in Halle. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie über das Thema „Bewertungskriterien des Debattenformats MüKomm im Hauptbereich Vortrag und Argumentation.“ Aktuell studiert Tina Frisch im Master Sprechwissenschaft mit der Spezialisierung Sprach-, Sprech-, und Stimmstörungen an der MLU Halle-Wittenberg.

  • Fuchs, Andrea (mit Christiane Miosga)

Stimme- und Leseverhalten in der Eltern-Kind-Interaktion: Bilderbücher und digitale Medien. (Vortrag)

Die Mediatisierung unserer Gesellschaft  führt dazu, dass die Gruppe der 1-3 Jährigen zunehmend als Zielgruppe für digitale Mediennutzung (Tablet-PCs, Smart-Phones etc.) entdeckt  wird.
In der KIM-Studie 2012 ist diese Gruppe erstmals im Sonderteil „mini-KIM“ aufgenommen worden. Hier finden sich allerdings keine Hinweise zur Art und Qualität der Nutzung von e-books und Tablet PCs und deren Einfluss auf die Entwicklung der „Literacy“  sowie auf Veränderungen der elterlichen stimmlichen Gestaltung im Sinne eines „Parentese“.
Im anglo-amerikanischen Raum konnte in Studien festgestellt werden, dass Eltern auch mit 1 – 3jährigen bereits digitale Medien nutzen. Für die Erstellung von e-books wurden bereits Leitlinien zu „best practice“ entwickelt. Darüber hinaus finden sich kontroverse Forschungsergebnisse zum Leseverhalten mit e-books: Einerseits konnte festgestellt werden, dass es zwar zu einem unterschiedlichen Leseverhalten bei e-books, insbesondere bei „enhanced e-books“ und klassischen Bilderbüchern kommt, dass aber bezogen auf den Erwerb verschiedener Aspekte der Literacy keine Unterschiede zu erwarten sind. Im Gegensatz dazu konnte in anderen Studien festgestellt werden, dass gerade die übermäßige Verwendung von „hotspots“ in „enhanced e-books“ dazu führen kann, dass ein Verständnis der gesamten Geschichte bei den Kindern erschwert wird und dass das gemeinsame Lesen gegenüber der Aufmerksamkeit auf Spiele und andere Ablenker verloren geht. So scheint die Qualität der verwendeten e-books sowie die stimmliche Gestaltung der Eltern-Kind-Interaktionen einen erheblichen Einfluss auf die zu erwartenden Ergebnisse zu haben.
Im Vortrag soll das Nutzungs- und (stimmliche) Leseverhalten sowie die Qualität der angebotenen Medien (Apps, e-books…) im deutschsprachigen Raum, insbesondere für die Zielgruppe der 1-3jährgen diskutiert werden. 
Andrea Fuchs, Dr. phil., war langjährig am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover tätig. Ihre Dissertation schrieb sie zum Thema „Zum Kontext der Entstehung der Sprache bei Kindern – Diskussion aktueller Konzepte zur spezifischen Sprachentwicklungsstörung und zum Dysgrammatismus“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Dialogisches Bilderbuchlesen und frühkindliche Eltern-Kind-Interaktionen. Nach einer Vertretungsprofessur an der Fachhochschule Bielefeld Schwerpunkt „Erziehung und Bildung im Kindesalter – Bildungsbereich Sprache“ ist sie zur Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergischen Universität Wuppertal, School of Education, in der Lehrerbildung tätig.

  • Gauß, Eva Maria

Die Körperpraxis der Sprechbildung erforschen –methodische Überlegungen. (Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Sprechen ist eine körperliche und geistige Tätigkeit, die im Rahmen der schauspielerischen Ausbildung in verschiedener Weise pädagogisch systematisiert ist. Sehr differenziert werden in unterschiedlichen Ansätzen für das Erlernen der künstlerischen Fähigkeit verschiedene Aspekte des Sprechens herausgehoben. Dieses körperliche Wissen, das durch langjährige Praxis entsteht und tradiert wird, eignet sich für die Analyse psychophysischer Prozesse und könnte das allgemeine Verständnis erweitern, wie im Sprechen Körper und Geist miteinander verknüpft sind. Wie aber kann man diese künstlerische Praxis erforschen? Wie überhaupt kann wissenschaftliches Wissen über eine körperliche Fähigkeit generiert werden? Und wozu überhaupt? Vorgestellt wird ein aktuelles Dissertationsprojekt, wobei die methodische Frage, die disziplinäre Verortung sowie das Verhältnis von Praxis- und Theoriewissen im Vordergrund stehen. Dazu wird über den Tellerrand der Sprechwissenschaft geschaut: Wo und wie wird über künstlerische Prozesse, über leibliches Lernen, über Körperwissen, über Sprechen und Stimme geforscht und welche körpertheoretischen Ansätze sind für ein Vorhaben innerhalb der Sprechwissenschaft vielversprechend? Im Vordergrund des Beitrags steht, wie man sich überhaupt einem körperlichen Wissen und der körperlichen Vermittlung einer Praxis mit wissenschaftlicher Methode nähern kann. Zugänge der Philosophie, der Erziehungs- und Sportwissenschaften, der Artistic Research und der Videoanalyse stehen im Vordergrund, wobei die Erkenntnismöglichkeit über die Körperpraxis der Sprechbildung für Schauspieler/innen durch eine wissenschaftliche Aufarbeitung diskutiert wird.

Eva Maria Gauß (Magistra Philosophie/Theaterwissenschaft und Diplomsprechwissenschaftlerin) ist zur Zeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg. Dissertationsprojekt: „Anthropologien des Sprechens – Konzepte des Körpers in der Sprechbildung für Schauspieler/innen“ Verbindung von Theorie und künstlerischer Praxis verfolgt sie auf verschiedenen Wegen: Seit 2006 mit ‚performativen Sinnerfassungsmaßnahmen‘, seit 2011 im Rahmen des von ihr mit-initiierten Festivals [soundcheck philosophie]. Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen, weitere Stationen: 2013 Universität des Saarlandes Projekt „Rhetorik in den Wissenschaften“, 2005-2010 Kulturstiftung des Bundes, zuvor in der qualitativen Sozialforschung und als freie Schauspielerin (Körpertheater) und Regisseurin tätig.

  • Giese, Sarah (mit Xenia Multmeier)

Produktion und Erlauschung zweier Minihörspiele. (Workshop)

Hörspiele erfreuen sich nach wie vor bei den verschiedensten Altersgruppen enormer Popularität. Die Art der Umsetzung ist mannigfaltig. Doch wie kann man aus einem schon längst kanonisierten Text noch ein spannendes, neues Hörerlebnis kreieren? Wie massentauglich kann ein klassischer Text für die „Hörspielcommunity“ sein? Um dies auszuprobieren und zu überprüfen, sollen anhand zweier unterschiedlicher Herangehensweisen – mit  verschiedenen szenischen Methoden aus dem Theaterbereich – zwei Minihörspiele nach ein und demselben Text produziert werden.
Sarah Giese und Xenia Multmeier bieten an, in zwei parallelen Gruppen aktiv an neuen Versionen der Ballade „Die Füße im Feuer“ von Conrad Ferdinand Meyer mitzugestalten.
Die Produktionsprinzipien orientieren sich zum einen an den Arbeitsweisen des Szenischen Lesens, in der zweiten Gruppe wird nach einer anarchischen Struktur (z.B. Auflösung der Chronologie, Assoziieren von angrenzenden Sounderlebnissen aus Innen- oder Außenwelt) dekonstruiert und produziert. Nach der Herstellung der Hörfassungen werden die Ergebnisse präsentiert und nach einem Fragenkatalog ausgewertet.

Sarah Giese arbeitet als Sprecherzieherin (DGSS) und Stückeschreiberin beim mehrfach preisgekrönten Jugendtheater Cactus. Neben der freiberuflichen Tätigkeit als Schauspielerin, Sprech- und Stimmtrainerin ist sie außerdem als Sprecherin regelmäßig bei der ARD, dem ZDF oder dem WDR zu hören und leiht ihre Stimme Märchenhörspielen des RBB oder Hörbuchproduktionen. Seit 2014 ist die außerdem Lehrkraft für besondere Aufgaben am Centrum für Rhetorik, Kommunikation und Theaterpraxis an der WWU Münster. Nähere Infos unter http://www.sarahgiese.de

  • Grohmann, Onno

Sprecherziehung und Spielfreude. Überlegungen zu Methodik und szenischer Betreuung (Impulsbeitrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Im Klischee ist die Sprecherziehung immer noch ein Fach das eher wenig mit Spielfreude verbunden wird. Ich erlebe unsere Arbeit aber ganz anders. Gerade unser Wissen kann den Spielerinnen und Spielern in ihre Freude an der eigenen Präsenz und Ausdruckskraft helfen. Und so z.B. auch die Regiearbeit unterstützen. Wie kann ich das im Unterrichtsaufbau vorbereiten? Wie in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen einbringen?

Onno Grohmann ist Sprecherzieher an der HMTMH Hannover im Studiengang Schauspiel. Stationen mehrjähriger Tätigkeit waren zuvor die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ sowie der Studiengang „Sprechkunst und Sprecherziehung“ an der Musikhochschule Stuttgart. Methodisch prägten ihn die „Gestische Sprecherziehung“ nach Minnich/Klawitter und die „Psychotonik“ nach Glaser. Er ist ausgebildeter Theaterpädagoge und gestaltete Theaterprojekte mit Laien z.B. im Rahmen des Kulturfestivals „Xong“. Ausserdem hat er einen Lehrauftrag am „Institut für literarisches Schreiben“ an der Uni Hildesheim.

 

  • Haase, Martina (mit Tim Schüler und Anna Wessel)

Sprechkunst als akademische Disziplin und das zeitgenössische Theater

Sprechkunst als akademische Disziplin im Fächerkanon der Sprechwissenschaft hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie auch permanent die aktuelle künstlerische Praxis reflektiert und untersucht. Daraus ergeben sich Rückschlüsse für die Lehre sowohl im Bereich der Theoriebildung als auch in methodisch-didaktischer Hinsicht (vgl. Haase, M. 2013: Definition und Gegenstand der Sprechkunst. In: Ines Bose et.al.: Einführung in die Sprechwissenschaft. Narr Studienbücher. Tübingen, 177 ff; 190 ff.). Ausgehend von einer Gegenstands- und Standortbestimmung der Sprechkunst und ihrer Verortung in Theorie und (künstlerischer) Praxis beschäftigt sich der Vortrag mit einem gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkt am Seminar für Sprechwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das zeitgenössische Theater bietet eine Vielfalt von neuen ästhetischen Konzepten des Sprechens, die in der bisherigen theaterwissenschaftlichen und sprechwissenschaftlichen Forschung nicht in dem vorhandenen Facettenreichtum analysiert wurden. Korrespondierend mit dem von Julia Kiesler initiierten Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“ an der Hochschule der Künste Bern (in das M. Haase im Expertenteam involviert ist) werden in jüngster Zeit Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten in diesem Themenumfeld verfasst, die im Überblick vorgestellt werden. Martina Haase wird eine Einführung in die theoretische Grundlegung und Lösungsperspektiven im Überblick geben. Tim Schüler wird Ergebnisse seiner BA-Thesis Der Regisseur Herbert Fritsch und seine Arbeitsweise mit dem Schauspielertext anhand des Probenprozesses der Inszenierung „ der die mann“ an der Volksbühne Berlin“ vorstellen. Der Vortrag von Anna Wessel gibt Einblicke in sprechwissenschaftliche Fragestellungen zur Probenforschung, die im Promotionsvorhaben „Handlungsstrategien und sprechkünstlerische Realisierungen in Probenprozessen zeitgenössischer Inszenierungen“ (Arbeitstitel) untersucht werden. Mittels Videoaufnahmen soll eine Auswahl an sprecherischen Realisierungen – den sprechkünstlerischen Gestaltungselementen – vorgestellt werden, um anschließend einen Ansatz zur wissenschaftlichen Systematisierung zu erläutern.

Martina Haase studierte Diplom-Sprechwissenschaft/ Germanistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 1985 Promotion (Brechts Theatertheorie und –praxis unter dem Aspekt der sprecherischen Gestaltungsmittel). Seit 1990 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sprechwissenschaft der halleschen Universität. Nebenberufliche Tätigkeit als Sprecherzieherin für Puppenspieler, Schauspieler und Sänger, Lehrbeauftragte an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle/ S. und seit 2010 Lehrbeauftragte im Master „Speech Communication and Rhetorik“ an der Universität Regensburg. Gründerin und Künstlerische Leiterin der Sprechbuehne (www.sprechbuehne.uni-halle.de). Arbeitsschwerpunkte: Sprechkunst in Theorie, Methodik und künstlerischer Praxis.

  • Hannken-Illjes, Kati (mit Nicole Dehé und Barbara Schlücker)

Literatur lesen und hören. (Vortrag)

Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive steht die Frage nach den funktionalen Unterschieden zwischen geschriebenem Text und Hörbuch und dem Verhältnis zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit im Mittelpunkt. Dabei geht es um Interpretationsmechanismen von Texten, die aus syntaktischer Sicht als schwierig gelten können. Das sind beispielsweise Texte, die syntaktisch sehr komplex oder ambig sind, oder Texte mit Unterspezifikationen auf Diskursebene, d.h. Textstrukturen, die wenig Kohäsionsmittel aufweisen.

Wir stellen uns u.a. die Frage, ob solche Texte in gesprochener Form aufgrund der zusätzlichen Möglichkeiten der gesprochenen Sprache, d.h. prosodisch-intonatorische Mitteln wie Betonung, Pausen, Sprechtempo etc. sowie der stimmlichen Charakteristika, einen funktionalen Mehrwert gegenüber dem schriftsprachlichen Text aufweisen. Ein solcher Mehrwert könnte darin bestehen, dass die Interpretation durch den Hörer schneller erfolgt und/oder „besser“, d.h. weniger fehlerhaft ist. Zudem ist es möglich, dass die Motivation, sich mit dem Text auseinanderzusetzen, sich zwischen selbstgelesenem und gehörtem Text unterscheidet.

Dem Sprecher käme in diesem Fall eine zentrale Rolle für das Hörverständnis zu, da die Verstehensleistung des Hörers direkt von der Interpretation des geschriebenen Texts durch den Sprecher und dessen prosodisch-intonatorischer Realisierung abhängt. Als ein funktionaler Mehrwert des geschriebenen gegenüber dem gesprochenen Text könnte andererseits die Möglichkeit des Lesers betrachtet werden, den Interpretationsprozess durch individuelle, punktgenaue Anpassung des Lesetempos und durch mehrfaches Lesen selbst zu steuern. Hinzu kommt, dass gesprochene Texte schon als Interpretation zu werten sind und so Ambiguität, die als literarisches Mittel fungiert, auflöst und damit eine Verstehensebene löscht.

Didaktische Fragestellung

Die Frage nach einem möglichen Mehrwert von Hörbüchern gegenüber schriftsprachlichen Texten ist auch in Hinblick auf didaktische Zielsetzungen relevant. So stellt die Lektüre literarischer Texte im Deutschunterricht viele Schüler und Schülerinnen bekanntermaßen vor große Probleme. Dies gilt insbesondere auch für Texte aus älteren Sprachstufen.

In unserem Projekt soll daher das Verständnis gelesener und gesprochener literarischer Texte auf Speichermedium im muttersprachlichen Deutschunterricht untersucht werden. Dabei orientieren wir uns an Texten, die im Deutschunterricht häufig verwendet werden und die sich in der Praxis in Hinblick auf das rein sprachbezogene Textverständnis (d.h. nicht unbedingt auch auf die darüber hinausgehende Interpretation) als problematisch erwiesen haben.

 Die aktuelle Studie

Konkret geht es bei der laufenden Studie um die beiden Novellen Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist und Kleider machen Leute von Gottfried Keller, d.h. einem sprachlich eher schwierigen Text im Vergleich zu einem leichteren. Die Untersuchung bezieht sich auf Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse.

Kati Hannken-Illjes studierte Sprechwissenschaft und Phonetik mit
Nebenfach Musikpädagogik an der Universität Halle und Speech
Communication Studies an der CSU Long Beach, USA, und wurde 2002 mit
einer Arbeit zur Argumentativen Kompetenz promoviert. Von 2003 bis 2007
arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der
Emmy-Noether-Gruppe ‚Vergleichende Ethnographie von Strafverfahren‘ im
SFB ‚Kulturen des Performativen‘ an der FU Berlin. Von 2007 bis 2011
arbeitete Kati Hannken-Illjes als Akademische Rätin am Lehrstuhl
Sprechwissenschaft und Phonetik der Universität Jena. Von April 2011 bis
September 2013 war sie Professorin für Sprechwissenschaft an der HfMuDK
Stuttgart. Seit Oktober 2013 hat sie die Professur für
Sprechwissenschaft an der Universität Marburg inne. 2010 erschien das
Buch ‚Criminal Defence and Procedure‘ (zusammen mit Thomas Scheffer und
Alexander Kozin). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Juristische Rhetorik
und Argumentation, Erzähltheorie, das Hörbuch als neue
sprechkünstlerische Form und rhetorische Verfahren bei Vorschulkindern.

  • Hanselmann, Melanie

Audiodeskription

Audiodeskriptionen werden auch als akustische Bildbeschreibungen
bezeichnet.Sie ermöglichen Blinden und Sehbehinderten das barrierefreie
Fernsehen. Eine zusätzliche Stimme ergänzt den Film so, dass ein
Verstehen auch ohne Bild möglich ist.
Seit dem Behindertengleichstellungsgesetz von 2002  werden immer mehr
Filme, Serien und Dokumentationen, vor allem in den
öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, mit einer Audiodeskription
versehen. Somit sind Audiodeskriptionen sowohl für freie Sprecher als
auch für Sprecherzieher als neues Arbeitsfeld interessant.
Der Vortrag führt Kriterien ein, die ein Sprecher einer Audiodeskription
beachten sollte, damit der eigentliche Film nicht verfremdet wird,
sondern sich der Sprecher so in das Filmgeschehen einfügt, dass er zu
einem Bestandteil des Filmes wird.
Die Kriterien wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie
erarbeitet und stützen sich zum einen auf eine Gruppendiskussion mit
Blinden und Sehbehinderten und zum anderen mehreren Hospitationen im
Bereich Audiodeskription (ZDF und Deutsche Hörflim GmbH Berlin).

Melanie Hanselmann hat einen Masterabschluss in Rhetorik. Sie beendete
ihr Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in
Stuttgart in Jahr 2005. Zuvor absolvierte sie den Bachelor Sprechkunst
und Sprecherziehung (BA) mit den Profilen Mediensprechen und Rhetorik an
derselben Hochschule. Zudem ist sie ausgebildete Atem-, Sprech- und
Stimmlehrerin (nach Schlaffhorst-Andersen) und war von 2007 bis 2010 als
leitende Logopädin und Sprech­erzieherin in Nürnberg tätig. Derzeit
arbeitet Melanie Hanselmann als Rhetoriktrainierin an diversen
Hochschulen (Mosbach und Weingarten/Ravensburg) und als Sprecherzieherin
sowie Lehrlogopädin bei der Medizinischen Akademie IB Stuttgart.

  • Heilmann, Christa

Antwort auf Plenumsvortrag von Verena Schulz, sowie

Von der Lippen- zur Gestensynchronisation. Über den Zusammenhang von originärem Körper und fremder Stimme im synchronisierten Film. (Vortrag)

Deutschland ist ein Synchronisations-Weltmeister, d.h. die Zahl der im Kino gezeigten Filme in Originalsprache ist im Vergleich zu der Menge der synchronisierten Filme verschwindend gering. So verwundert es auch nicht, dass sich die unterschiedlichsten Wissenschaftsgebiete mit dem Phänomen der Synchronisation beschäftigt haben. Viele Jahre lang stand dabei auch die sog. Lippensynchronisation im Fokus, d.h. das Bemühen, den deutschen Text so zu gestalten, dass die Lippenbewegungen der deutschen Sprache mit denen im Original beim Sprechen weitgehend übereinstimmen. Angestrebt war dabei die Imagination der Verschmelzung der fremden Stimme mit dem sichtbaren Körper. Synchronisation gilt dann als gelungen, wenn der Prozess nicht mehr wahrgenommen wird.
Jüngere Entwicklungen haben gezeigt, dass diese Bemühungen auf bestimmte Szenen reduziert werden können, so etwa auf Einstellungen von Großaufnahmen und sog. Nahen, sowohl von vorn als auch im Profil. In Einstellungen der Totale oder Halbtotale dagegen sind die Zuschauenden in ihrer Aufmerksamkeit anders gebunden.
Für das Kinopublikum wesentlich irritierender ist es dagegen, wenn die Betonte des Sinnschritts nicht mit dem Höhepunkt der Bewegung dazugehöriger Gesten übereinstimmt.
Was uns die aktuelle Gestikforschung und auch Christian Winkler dazu sagen können, ist Gegenstand des Beitrags.

Christa M. Heilmann, Prof. Dr. phil. habil., geb. 1946 in Leipzig. 1965-1970 Studium der Sprechwissenschaft und Germanistik an der Martin-Luther-Universität Halle. 1972 Promotion zur Dr. phil. 1972 – 1987 an den Universitäten Halle, Leipzig und Torun (Polen) als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Rhetorik und Phonetik tätig. Verheiratet, 3 Kinder. 1987 Übersiedelung in die BRD. 1987-1990 freiberufliche Rhetoriktrainerin im Öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft. 1990 – 2012 Leiterin der Abteilung Sprechwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. 2001 Habilitation auf dem Gebiet sprechwissenschaftlicher Gesprächsanalyse. Seit 2007 Kommunikationsseminare für Ärzte in Palliativausbildung, für Krankenschwestern und Pfleger im Kontext von Palliativ-Care-Fortbildung, Kommunikationsmodule im Curriculum für Ehrenamtliche in der Hospizarbeit. Forschungsschwerpunkte: Sprechwissenschaftliche Gesprächsforschung, Gender-Studies in der Rhetorischen Kommunikation, Nonverbale Kommunikation/Körpersprache, Gesprächsanalyse Kommunikation im Palliativkontext

  • Heinemann, Roland

Die ARD-Aussprachedatenbank: Praxis, Probleme, Perspektiven. (Vortrag)

Während des Vortrags besteht Live-Zugriff auf die ARD-AusspracheDatenBank (ADB).

Roland Heinemann (geb. 1957); Studium der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik in Mainz; zuerst Lehrer, seit 1988 beim Hessischen Rundfunk, seit 1997 dort Leiter der ARD-AusspracheDatenBank (ADB).

  • Herbst, Oliver

„Mir schwelt da eine Frage im Gebeiß.“ Ursprünglich gesprochene Äußerungen aus der Serie „Die 2“ heute in schriftlichen Medien. (Vortrag)

Anfang der siebziger Jahre war in der Bundesrepublik die britische Fernsehserie „Die 2“ mit Tony Curtis und Roger Moore ein „Straßenfeger“. Dies lag in erster Linie an der deutschsprachigen Synchronisation von Rainer Brandt. Die gesprochenen Äußerungen darin wurden zum Gegenstand der außermedialen Kommunikation. Beispiele sind die Anrede „Euer Durchlocht“ für die Serienfigur Lord Brett Sinclair oder der durch ein Wortspiel veränderte Phraseologismus „Jetzt fliegen mir doch die Suppenhühner von den Augen“.
Wie sieht es nun über 40 Jahre nach der Erstausstrahlung der meisten Folgen im ZDF aus? In der jahrzehntelangen Rezeptionsgeschichte haben sprachliche Elemente der Seriensynchronisation nachhaltig zum Sprachwandel beigetragen. Die Äußerungen sind längst nicht mehr nur ein Phänomen der Mündlichkeit, sondern auch der Schriftlichkeit. In schriftlichen Medien finden sich heute noch viele sprachliche Belege, die auf die Synchronisation zurückgehen. Oft geht es den Emittenten wahrscheinlich nicht um direkte Zitate des „Die 2“-Sprachgebrauchs, sondern sie bedienen sich dessen indirekt, da die Äußerungen ihren Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden haben.
Häufig zeigen sich derartige Belege in interpersonalen Medien im World Wide Web (wie sozialen Medien oder Foren), bei denen es also um den Austausch unter den Kommunikationspartnern geht. Ein Beispiel ist der Beleg „Mir schwelt da eine Frage im Gebeiß“, der sich hier, in vielen Fällen abgewandelt, in großer Zahl findet. Auch in schriftlichen Massenmedien, gerade im Bereich der Überschriften, lässt sich eine besondere Frequenz für solchen Sprachgebrauch feststellen. Ein Beispiel ist das Lexem „Tschüssikowski“, das etwa auf der Titelseite einer Boulevardzeitung Teil einer Überschrift geworden ist.

Oliver Herbst: 1996 bis 2001 Studium der Germanistik und der Politischen Wissenschaft an der Universität Würzburg; 2005 Promotion in Würzburg in der Deutschen Sprachwissenschaft zur Verbalmorphologie in den Dialekten Unterfrankens; seit 2003 (mit Unterbrechungen) Lehraufträge an der Universität Würzburg, v.a. zum Sprachgebrauch in der Politik und in den Medien; seit 2005 Tageszeitungsvolontariat und Tätigkeit als Tageszeitungsredakteur bei der Fränkischen Landeszeitung in Ansbach; seit 2012 Gastdozenturen in Umeå (Schweden), Bologna (Italien) und Sarajevo (Bosnien und Herzegowina).

  • Herzog, Ronald

Erleben und Zeigen: Sprechspielen in der Lehramtsausbildung – ein Werkstattbericht. (Vortrag und Workshop)

An der TU Chemnitz werden seit 2013 Studierende für das Grundschullehramt ausgebildet. Die Sprecherziehung ist mit der obligatorischen Übung „Sprechbildung und Praktische Rhetorik“ (2 SWS) im Curriculum vertreten. Sowohl die sprechwissenschaftliche Diskussion (u.a. Lemke 2006) als auch das Feedback der Studierenden zeigt, dass ein bis zwei SWS für eine stimmlich-sprecherische Ausbildung unzureichend sind. Eine Erweiterung des sprechwissenschaftlichen Angebotes für Lehramtsstudierende ist jedoch oft nicht vorgesehen bzw. nicht unmittelbar erwünscht. Allerdings können Freiräume in der jeweiligen Studienordnung (z. B. in Ergänzungs- bzw. Vertiefungsmodulen) Möglichkeit offenbaren, fächerübergreifende Angebote zu schaffen.

Mit dem Sprechkunst-Projekt SPRECHwerkstatt wird an der TU Chemnitz ein solches Angebot eingeführt. Ein Semester lang erarbeiten die TeilnehmerInnen eine Produktion (Bühne oder Hörspiel) mit sprechkünstlerischem Fokus. Dabei widmen sie sich jeweils Schwerpunkten wie Textkomposition, Dramaturgie, Regie, Spiel-/Sprechrolle, Musik, Technik, Bühnenbild, Kostüme etc. und sind gleichzeitig am Gesamtprozess beteiligt. So können neben der stimmlich-sprecherischen Arbeit Begabungen gefördert und Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen angesprochen werden.

Der Vortrag bietet Einblicke in die Arbeitsweise und erste Ergebnisse dieser Lehrform. Im Zentrum stehen methodische wie theoretische Implikationen des zugrunde liegenden Konzeptes ‚Sprechspielen’. Dieser Begriff wurde von Martina Haase für die Arbeit an der Sprechbühne Halle eingeführt und vom Referenten als Möglichkeit des sprechkünstlerischen Gestaltens zwischen Vortragskunst und Schauspielkunst definiert (vgl. Haase 2013, Herzog 2009).

Darüber hinaus werden Überlegungen zur Zielsetzung einer solchen Lehrform zur Diskussion gestellt:

– Welches Potential bietet sprechkünstlerisches Gestalten (jenseits des klassischen Dichtungssprechens) für die Lehrerprofessionalisierung und Persönlichkeitsbildung?

– Welche Methoden der Schauspielpädagogik und Sprechkunst können in rhetorischen bzw. didaktischen Kommunikationssituationen angewendet werden?

– Abschließend wird die Frage beantwortet, welche Rolle das Miteinander von Geißner, Brecht und Stanislawski in dieser Konzeption spielt…

Literatur

Brecht, B. (1993): Werke. Berliner und Frankfurter Ausgabe. Band 22 und 23. Berlin/Frankfurt am Main.

Geißner, H. (1986): Sprecherziehung: Didaktik und Methodik der mündlichen Kommunikation. Frankfurt am Main.

Haase, M. (2013): Sprechkunst und Schauspielkunst. In: Einführung in die Sprechwissenschaft. Phonetik, Rhetorik, Sprechkunst. Tübingen.

Lemke, S. (2006): Zur stimmlich-sprecherischen Ausbildung Lehramtsstudierender. In: Hirschfeld U./Anders, L.-Chr.: Probleme und Perspektiven sprechwissenschaftlicher Arbeit. Frankfurt am Main.

Herzog, R. (2009): Sprechspielen – Sprechkünstlerische Kommunikation zwischen Vortragskunst und Schauspielkunst. In: Hirschfeld, U./Neuber, B. (Hg.): Aktuelle Forschungsthemen der Sprechwissenschaft. Frankfurt am Main.

Stanislawski, K.S. (2002): Die Arbeit des Schauspielers an sich selbst. Band 1 und 2. Berlin.


Roland Herzog ist Dipl.-Sprechwissenschaftler. Studium an der MLU Halle-Wittenberg. Seit 2005 Lehraufträge an diversen Hochschulen. Trainings und Vorträge für Wirtschafts- und Kulturorganisationen.  2009-2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Career Service der TU Chemnitz, u.a. Konzeption und Durchführung von Workshops im Bereich Soft Skills / akademische Schlüsselkompetenzen. Seit 05/2014 als wissenschaftlicher Mitarbeiter verantwortlich für die Sprecherziehung in der Lehramtsausbildung an der TU Chemnitz.

  • Hoffmann, Thomas (mit Philipp Nawka)

Stimmtrainings für Lehrer/innen –Ein Erfahrungsbericht. (Vortrag)

Philipp Nawka und Thomas Hoffmann geben seit 2012 vom Mitteldeutschen Verband für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung e. V. zertifizierte Trainings für Lehrerinnen und Lehrer. Der Vortrag soll einen Einblick in diese Arbeit geben. Problematisiert werden dabei u. a. folgende Fragen:

  • Wie schaffe ich den „Spagat“, um innerhalb kurzer Workshop-Zeit einen großen stimmlichen Nutzen zu erreichen?
  • Welche theoretischen Inhalte und welche praktischen Übungen sind unserer Meinung nach essentiell?
  • Wie kombiniere ich sinnvoll Übungen im Gruppenformat mit genügend Raum für die individuelle Stimmarbeit?

Je nach Zusammensetzung des Auditoriums können praktische Übungen vorgestellt werden.

Thomas Hoffmann ist Dipl. Sprechwissenschaftler und Systemischer Business Coach (SG). Er ist an der Universität Leipzig im Bereich Stimmbildung, Sprecherziehung und Kommunikation für Lehramtsstudierende mit einer halben Stelle tätig. Daneben arbeitet er freiberuflich als Sprecherzieher/Stimmbildner und Kommunikationstrainer. Thomas Hoffmann ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Initiative Sprecherziehung im Lehramt“ des Mitteldeutschen Verbandes für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung e. V.

  • Joachimsthaler, Jürgen

Neophonismen. Phonetische Klangexperimente im Hörbuch. (Vortrag im Panel Hörbuch)

Seit Beginn der klassischen Moderne wird in poetischen Experimenten der graphematisch fixierte Klangleib der Sprache in seine Bestandteile zerlegt und zu neuen, unerwarteten Kombinationen zusammengesetzt. Literarische Richtungen wie Expressionismus, Dadaismus oder Wiener Schule verwirrten das traditionelle Gefüge bedeutungsdifferenzierender Phoneme, aus denen Sprache sich zusammenzusetzen scheint, bewusst durch Entwicklung neuer, nur stimmlich zu vermittelnder Notationen von Lauten ohne eindeutig fixierten Platz im semantischen Raum. Diese Neophonismen, im Medium des „stummen“ gedruckten Buches gegen dessen Stummheit entwickelt, beginnen wirklich zu leben erst durch gesprochene (oder geächzte, geröchelte etc.) Umsetzung. Im Hörbuch wird diese Umsetzung im Moment ihres Geschehens durch unmittelbare Aufnahme in ein neues Medium gebannt und in einer – nun hörbaren – unveränderlich festen Gestalt fixiert, die in unbeabsichtigte Spannung treten kann zum ursprünglich rebellischen Gestus solcher Dichtung im Medium der Schrift (gegen dessen Begrenzungen sie opponiert). Verwirrt sie den Rezipienten noch oder erscheint sie als nur amüsantes Spiel mit Stimme und Klang? Anhand eines literarisch offensichtlich radikalen älteren (Hugo Ball) und eines nur scheinbar weniger radikalen jüngeren (Oswald Egger) Beispiels soll deshalb das Medium Hörbuch daraufhin untersucht werden, wie (und ob) es den rebellischen ästhetischen Anspruch mit graphematisch notierten Neuphonismen arbeitender Dichtung akustisch so umsetzt, dass dieser sich dem Hörer in der intendierten Weise mitteilt. Dabei wird streng zu unterscheiden sein zwischen der jeweils einzelnen konkreten Verklanglichung eines Textes innerhalb des größeren Möglichkeitsraums des Mediums Hörbuch einerseits und den vom Medium selbst konstituierten Grenzen seines ästhetischen Horizonts andererseits. Zu fragen bleibt am Ende, wie dieses Medium durch die von ihm ausgehende Formung akustischer Wahrnehmung zurückwirkt auf eine an ihrer Klangseite orientierte Dichtung, die die Möglichkeit ihrer Hörbarkeit von der Schrift aus in einen ursprünglich schwer fassbaren, gleichsam fluktuierenden akustischen Raum hinein entwirft, der nun konkret gestaltbar geworden ist.

Jürgen Joachimsthaler absolvierte ein Studium der Germanistik und Geschichte in Regensburg, dort 1990-94 wissenschaftlicher Mitarbeiter, Promotion 1994 (summa cum laude), Lehr-, Verlags- und Redaktionstätigkeiten in Deutschland und Polen, 1996-2001 DAAD-Lektor in Opole (Polen), 2001-2006 als Stipendiat und auf einer DFG-Stelle an der TU Dresden, 2006-2014 Ratsstelle an der Universität Heidelberg, 2010 Habilitation (venia legendi in Neuerer deutscher und vergleichender Literaturwissenschaft), dort Professor seit 2013, seit 2014 Professur für Neuere und neueste deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Philipps-Universität Marburg.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Literatur und literarisches Leben vom 18.-21. Jahrhundert, insbesondere Romantik, klassische Moderne, Nachkriegsliteratur und aktuelle deutsche Literatur; Interkulturalität deutscher Literatur (insbesondere im Kontakt mit den Literaturen Ostmitteleuropas); Text und Raum; Theorie und Praxis der Übersetzung; Kulturwissenschaft(en) als interdisziplinäres Projekt.

  • Kalem, Maria (mit Susanne Krauß)

„Wörter für den Beruf“ – Sprechende Smartphone-App für Deutschlerner. (Vortrag)

Neues Land, neue Sprache, neues Leben!
Wie kann der Einstieg in ein Erwerbsleben erleichtert werden, wenn potentielle Arbeitskräfte mit geringen Deutschkenntnissen und möglicherweise ohne lateinische Schriftsprachkenntnisse möglichst schnell auf eine Tätigkeit vorbereitet werden sollen?
Smartphone-Apps ermöglichen aufgrund der Einbindung von Text, Bild und Ton einen multimedialen Zugang zu Sprache. Das ist insbesondere für Deutschlerner, die wenig bis keine Deutschkenntnisse besitzen,  wichtig.
Das vom BMBF geförderte Projekt „Alphamar 2“ hat sich daher zum Ziel gesetzt, eine berufsbezogene Alphabetisierung von Migrantinnen und Migranten in der Fremdsprache Deutsch durch verschiedene Lehr- und Lernmaterialien zu unterstützen. Darunter zählt auch die App „Wörter für den Beruf“, die vom Alphamar 2-Projektteam der AG Deutsch als Fremdsprache erarbeitet wurde. Die Vertonung erfolgte durch die  AG Sprechwissenschaft, die technische Umsetzung durch den FB Informatik.
Maria Theresia Kalem M.A., Sprecherzieherin (DGSS):

Maria Kalem: geboren 1967 in Fulda
Magisterstudium an der Philipps-Universität Marburg (1986 – 1994)
Deutsche Sprache und Literatur, Phonetik, Medienwissenschaft/
Ausbildung zur Sprecherziehen (DGSS) / Freie Journalistin überwiegend für den Hessischen Rundfunk (1990 – 1998) / freiberufliche Sprecherzieherin / Lehrbeauftragte an der Philipps-Universität seit 2009/ lebt mit ihrer Familie in Fulda

  • Kettel, Sonja 

Zur identitätsstiftenden Funktion des Radios. (Workshop im Panel „Radio-sprechen-hören. Aktuelle sprechwissenschaftliche Forschungen zu Moderation und Nachrichten im Radio“

Aufgrund unserer Hörerfahrung gelingt es uns, Radio als ein in seiner
Gesamtheit eigenständiges Medium zu erfassen und einzelne Bestandteile daraus
als typisch, spezifisch oder gar als fremd oder untypisch zu erkennen. Wir
typologisieren, klassifizieren und sanktionieren das Gehörte in
Sekundenschnelle und in der Regel vollkommen unbewusst. Und wir ordnen es in
unseren individuellen Bewertungskontext ein, der uns darüber entscheiden
lässt, ob wir weiter hören wollen oder nicht. Doch welche Merkmale sind es,
nach denen wir unser Hörurteil fällen? Woran machen wir unseren Eindruck fest
und wie lassen sich diese Merkmale individuell beschreiben? Gemeinsam mit den
Teilnehmenden wollen wir uns in einem Workshop anhand konkreter Hörbeispiele
diesen Fragen nähern und dabei diskutieren, wie komplex Stimme und Sprechen im
Radio wahrgenommen werden und welche Auswirkung diese Wahrnehmung auf
individuelle Bewertungsprozesse haben kann.

Sonja Kettel, BA Sprechwissenschaftlerin, befindet sich derzeit im Masterstudiengang der Sprechwissenschaft und Phonetik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die MA-Abschlussarbeit  bewegt sich (ebenfalls) im Rahmen des Forschungsprojektes „Radio-Ästhetik – Radio Identität“ bei Prof. Ines Bose. Mit einem PROMOS-Stipendium des DAAD war sie im Jahr 2014 für einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in
Kanada. Während dieser Zeit wurden Daten für die MA-Arbeit erhoben. Als Filmcutterin und Medienpädagogin blickt Sonja Kettel auf eine über 10jährige, fortbestehende medienpraktische Tätigkeit zurück.

  • Kiesler, Julia  (mit Claudia Rastetter)

Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater. (Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Auf der Bühne des zeitgenössischen Theaters hat sich der Umgang mit Texten, mit gesprochener Sprache und mit Stimme grundlegend verändert. Texte werden chorisch gesprochen, sie werden musikalisiert und rythmisiert, monologisierend statt dialogisch gestaltet und sie sind nicht mehr unbedingt in die Repräsentation von Handlungen und schauspielerische Vorgänge auf der Bühne eingebunden. Das Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“ der Hochschule der Künste Bern untersucht anhand verschiedener Probenprozesse Herangehensweisen und Verfahren der Textarbeit, die mit traditionellen Theaterpraktiken brechen und veränderte Darstellungs- und Sprechformen hervorbringen. Der Vortrag stellt das Projekt in Kürze vor und thematisiert die bisher gewonnenen Erkenntnisse anhand zweier Beispielinszenierungen. Es werden das Playback-Verfahren der Inszenierung „Warum läuft Herr R. Amok“ (Rainer Werner Fassbinder) in der Regie von Susanne Kennedy (Premiere am 27.11.2014 an den Münchner Kammerspielen) sowie der Prozess der Musikalisierung und Monologisierung innerhalb der Probenarbeit zu „Faust“ (Johann Wolfgang von Goethe) in der Regie von Claudia Bauer (Premiere am 10.09.2014 am Konzerttheater Bern) beleuchtet. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche darstellerischen Möglichkeiten und Herausforderungen die beschriebenen Verfahren hervorbringen und welche Rolle sie innerhalb der Schauspielausbildung spielen könnten.
Biographien

Julia Kiesler studierte von 1997-2002 Diplom-Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Anschließend war sie künstlerische Mitarbeiterin der Abteilung Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Sprecherzieherin am Theater Chemnitz. Seit 2005 ist sie Dozentin für das Fach Sprechen im Studienbereich Theater der Hochschule der Künste Bern sowie seit 2012 Forschungsdozentin am Forschungsschwerpunkt Intermedialität der HKB. Sie leitet seit März 2014 das für drei Jahre vom Schweizerischen Nationalfond geförderte Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“.

  • Köhler, Stefanie

Die Stimmkugel – Eine Systematik zur Artikulation. (Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Als Sprecherzieherin mache auch ich die sehr regelmäßig Erfahrung, dass die Studierenden in ihrer stimmlich-klanglichen Entfaltung gehemmt sind. Ein Faktor unter vielen dafür ist, dass die Vokale unterschiedlich groß gesprochen werden und von den Konsonanten eher eingeschränkt als unterstützt werden. Aus der praktischen Arbeit heraus habe ich das Bild der Stimmkugel entworfen. Die Systematik der Stimmkugel zeigt in einem verständlichen, einfachen Modell die ganze Komplexität der Laute.
Die Bezüge der Laute untereinander werden sichtbar und können durch die Visualisierung artikulatorisch besser verfolgt und verstanden werden. So werden die Studierenden in ihrem Verständnis der Artikulation und damit bei ihrer Stimmentfaltung unterstützt. Im Idealfall wird der Zugriff auf die einzelnen Laute körperlicher und bewusster – der Text kann differenzierter, brillianter und sinnlicher gesprochen werden. Lehrenden bietet die Stimmkugel eine mögliche Form der Höranalyse.
Im Vortrag erläutere ich die Stimmkugel, ordne sie in meinen Ansatz der sprecherzieherischen Arbeit ein, und lege dar, wie nach dieser Systematik die Artikulation in die künstlerische Textarbeit eingebunden werden kann.

Stefanie Köhler studierte in Stuttgart Sprecherziehung und schloss später in Zürich am „Lehrinstitut für Psychotonik“ die Ausbildung zur Atem- und Bewegungspädagogin ab. Ihre Lehrtätigkeit führte sie an die Hochschulen in Salzburg (Schauspiel) und Stuttgart (Sprecherziehung), sowie an die Musikhochschule in Karlsruhe (Opernschule). 2003 wurde sie als Professorin für Sprecherziehung an die Frankfurter Musikhochschule berufen. Sie hat Kurse für Gesangstudierende in Helsinki, Kopenhagen und Fermo an den jeweiligen Hochschulen gegeben und als Sprachcoach zahlreiche Opernproduktionen an der königlichen Oper in Kopenhagen betreut. Stefanie Köhler wirkt als Sprecherin und arbeitet als Sprech- und Stimmcoach mit Personen aus den Bereichen Theater, Kunst, Kirche, Wirtschaft und Pädagogik.

  • Könitz, Friederike (mit Nora Wünsche)

DGSS Schülerrhetorikzertifikat. (Vortrag)

Die mündliche Kommunikation nimmt auch im schulischen Alltag eine immer größere Rolle ein. Die Vielfalt erstreckt sich von mündlichen Präsentationen, Referaten und Prüfungen über Redebeiträge im Unterrichtsgespräche sowie Gruppendiskussionen und -debatten bis hin zu sprechkünstlerischen Formen des Vorlesens, Rezitierens und darstellenden Spiels. Die Schlüsselqualifikationen, die in diesen Bereichen in der Schule erworben werden können, sollen die Schülerinnen und Schüler auf ihr weiteres Leben in Ausbildung, Studium und Beruf vorbereiten. Nicht immer reicht die Zeit im Schulunterricht aus, um die eigene Kommunikationskompetenz zu trainieren. Genau hier setzt das DGSS-Rhetorikzertifikat für Schülerinnen und Schüler an. Es bietet für die Jahrgangsstufen 11 und 12 eine entsprechende Zusatzqualifikation.

Im Vortrag sollen Einblicke in die Kooperation zwischen der Marburger Sprechwissenschaft und den umliegenden Schulen in Form vom DGSS-Rhetorikzertifikat für Schülerinnen und Schüler gegeben werden. Wie hat sich das DGSS-Rhetorikzertifikat in Marburg über die Jahre entwickelt? Wie sehen Planung und Durchführung konkret aus? Welche Inhalte werden wie aufgearbeitet und in welcher Form präsentiert? Welchen Mehrwert haben TeilnehmerInnen? Und was sagen Schülerinnen und Schüler selbst über das Zertifikat?

Friederike Könitz: Seit 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Marburg, Abteilung Sprechwissenschaft, seit 2006 Jugendbildungsreferentin der Stadt Marburg, Bereiche Partizipation und Politische Bildung, Kulturelle Projekte, seit 2002 Lehrbeauftragte und Dozentin im Weiterbildungssektor, an Schulen und Universitäten, Schwerpunkte: Rhetorik, Ästhetische Kommunikation, Stimm- und Sprechbildung, 2005-2006 Theaterpädagogin am Hessischen Landestheater Marburg, 2000-2006 DGSS-Studium an der Prüfstelle Marburg, 1998-2004 Magisterstudium Neuere Deutschte Literatur und Medien, Politikwissenschaft, Europäsische Ethnologie/Kulturwissenschaft

Kröger, Wanja

Voice and Speech in the Arts – ein Netzwerk in Gründung. (Impulsbeitrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Voice and Speech in the Arts ist ein internationales Netzwerk der Lehrenden, die sich mit Stimme und Sprechen auf der Bühne beschäftigen. Das Ziel dieses Netzwerkes ist es, dem Dialog zum Thema eine neue Plattform und neue Impulse zu stiften. Geplant sind der Austausch der Lehrenden via BLOG und Social Media, wiederkehrende Tagungen und Workshops. Der Diskurs und der Austausch sind im letzten Jahrzehnt zusehends erlahmt, die Diskussion von Trends, Entwicklungsperspektiven, Forschungsperspektiven und künstlerischen Praktiken findet eher informell und nicht kontinuierlich statt.
Das Netzwerk soll ermöglichen, dass Diskussion wahrnehmbar wird, Austausch beginnt und Kollaborationen für praktische Entwicklungen und Forschungsvorhaben beginnen können.
Nach einer Auftakttagung in Zürich im Januar 2015 (https://performertrainingplatform.wordpress.com/past-events/zurich-2015/programme/) soll das Netzwerk auch im deutschsprachigen Raum Interessierten Kolleginnen und Kollegen zugänglich werden.

Wanja Kröger ist seit 2001 Dozent für Sprechen, Stimme, Text im BA und MA Theater der Zürcher Hochschule der Künste (Schweiz), lehrt oder lehrte u.a. an der Universität Hildesheim und an der Hochschule Luzern. Er leitet die Kommission Teaching & Learning der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK) , arbeitet forschend und netzwerkend für das Institut for performing arts und film IPF der ZHdk, Studium Sprechen und Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart.

  • Kuhnhenn, Martha

Sprache und soziale Identität. (Vortrag)

Soziale Identität wird zu einem wesentlichen Teil mit und durch Sprache konstituiert, zugeschrieben und bestätigt. Diese Beobachtung darf sowohl für interpersonale Interaktionen als auch für massenmedial vermittelte Kommunikation angenommen werden. In dem Vortrag werden zunächst die Begrifflichkeiten soziale Identität (vgl. Mead 1988) und Image (vgl. Goffman 1978) sowie die diesbezügliche Rolle von Sprache und Sprechen skizziert. An Beispielen verschiedener Formen von massenmedial vermittelter Kommunikation wird der Zusammenhang von Sprache, Sprechen und eben sozialer Identität anschließend verdeutlicht. Mögliche Untersuchungsschwerpunkte sind dabei Muster des Imageaufbaus von Moderatoren in Call-In-Sendungen im Radio oder „Ironie-Strategien“ in massenmedial vermittelten Diskussionen.

Literatur
Mead, George H. (1988): Geist, Identität und Gesellschaft. 7. Auflage. Frankfurt: Suhrkamp.
Goffman, Erving (1978): Interaktionsrituale. Über Verhalten in direkter Kommunikkation.

 

Martha Kuhnhenn studierte Anglistik/Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft an den Universitäten Greifswald, Göttingen und Oviedo (Spanien), an den Universitäten Alcalá de Henares (Spanien) und Greifswald absolvierte sie den Master in Sprache
und Kommunikation. 2014 promovierte sie sich zum Thema Glaubwürdigkeit in der politischen Kommunikation. An der Leuphana Universität Lüneburg sowie an der Universität Greifswald lehrt sie unter anderem in den Bereichen der angewandten Sprachwissenschaft und qualitativen Methoden.
 

  • Lämke, Ortwin

Eine Reise in die Kindheit oder Was studentische Hörbuchnutzung uns über die Beziehung Zuhörender zum Hörbuch und zur Hörbuchstimme verrät (Vortrag im Panel „Hörbuch“)

Eine Erhebung unter 200 hörbuchinteressierten Studierenden an der Universität Münster legt einige Tatsachen zur Hörbuchnutzung offen, nach denen die bekannten Marktanalysen erst gar nicht fragen. Wer möchte schon dem Hinweis Werbung betreiben, dass ein neues Hörbuch hervorragend dafür geeignet sei, darüber einzuschlafen? Das wäre aber eine kluge Marketing-Strategie. Und wer macht sich darüber Gedanken, dass „Bibi Blocksberg“ von bestimmten Menschen auf Cassette oder CD bis Folge 60 auf Flohmärkten und bei Ebay intensiv gesammelt, ab Folge 60 aber von ihnen gehasst wird? Wer weiß schon, warum viele begeisterte Anhänger Marc-Uwe Klings dessen Hörbücher nicht mehr kaufen, seitdem er dem Känguru eine veränderte Stimme gegeben hat? Und warum sind bestimmte Schauspieler, die von den Hörbuchverlagen als Sprecher gebucht werden, für manche Hörer/-innen die falsche Besetzung, obwohl sie sorgfältig ausgesucht wurden? Diese Fragen sollen, ausgehend von der zunächst vorzustellenden Untersuchung, diskutiert werden.

Ortwin Lämke ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Leiter des Centrums für Rhetorik, Kommunikation und Theaterpraxis & der Studiobühne der Universität.
Veröffentlichungen zum Thema Textsprechen / Hörbuch:
Hörbuchstimme – Hörbuchtext. Die Stimme im Lyrik-Hörbuch als Medium des „lyrischen“ Ich? In: Britta Herrmann (Hg.): Dichtung für die Ohren. Zur Poetik und Ästhetik des Tonalen in der Literatur der Moderne. Berlin. (Erscheint 2015).
Heinrich Heines schollernd schnöde Klänge. Der „Romanzero“ als „Hör“-Buch. In: Heine-Jahrbuch (50) 2011. S. 54-70.
Grundlagen des interpretierenden Textsprechens. In: Marita Pabst-Weinschenk (Hg.): Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. 2., überarb. Aufl. München, Basel 2011. S. 182-191.

  • Marx, Silke

Kollegiale Beratung in der universitären Lehramtsausbildung. (Vortrag)

Die Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern erfolgt in Hessen in den drei Phasen universitäres Studium, Referendariat und Berufspraxis. Die Beratung gewinnt hierbei zunehmend an Bedeutung, sowohl für die Position des Adressaten als auch des Adressanten.

Lange stand das Beraten von Schüler_innen oder auch Eltern im Vordergrund, die Beratung angehender Lehrer_innen fand überwiegend im Ausbildungskontext statt. Zunehmend rückt die Beratung von Lehrer_innen als Unterrichtenden in den Fokus. Der Ausgangspunkt des Vortrags liegt in der Annahme, dass über die Vermittlung von Fachwissen, Methodenwissen und kommunikativen Fertigkeiten bei Studierenden (Gymnasiallehramt Deutsch) im Seminar „Sprechwerkstatt“ kommunikative Eigenkompetenz und Beratungskompetenz im Bereich mündliche Kommunikation geschult werden können und somit den Studierenden eine Verstetigung ihrer Professionalisierung ermöglicht wird. In diesem Vortrag werden die Erfahrungen aus der Praxis vorgestellt.

Silke Marx studierte Deutsch und Biologie für das Lehramt an Gymnasien und Sprechwissenschaft an der Philipps-Universität in Marburg. Während ihrer Tätigkeit als Studienrätin an Schulen und dem Studienseminar Fulda integrierte sie Sprechwissenschaft in die Schule und das Referendariat in Form verschiedener AGs und Module. Seit dem Studium „Professionelles Coaching“ (ZFH) arbeitet sie als Coach, Beraterin und Trainerin mit den Schwerpunkten Kommunikation, Performance und Work-Life-Balance. Aktuell ist sie pädagogische Mitarbeiterin in der Abteilung Sprechwissenschaft und Mitwirkende in dem Projekt „Für ein richtig gutes Studium“ des ZfL, Philipps-Universität Marburg.

  • Meichsener, Daniela (mit Eckard Pfeffer)

Sprechen, Sprache und Text im Fach Darstellendes Spiel. (Workshop)

Galt Theaterspielen in der Schule früher noch hauptsächlich als Leistung des Erinnerns von Textmassen, hat sich dieses Bild heute gewandelt. Die Hegemonie des Textes bzw. der Sprache tritt im postdramatischen Theater den Rückzug an und so wird auch im Fach Darstellendes Spiel die Fokussierung auf den Text aufgelöst. „Mit der über viele Jahre fortschreitenden Etablierung hat sich Darstellendes Spiel/Theater immer wieder ausdrücklich vom Deutschunterricht abgesetzt […].“1

Dennoch lebt die Bühne von Figuren, die sich auch durch ihre spezifische Sprache und Sprechweise definieren. Sprache ist „wesentlicher Ausdrucksträger […] und ästhetisches Gestaltungsfeld.“2 Sie hat die Möglichkeit, auf der Bühne sämtliche andere theatralische Zeichen zu ersetzen oder mit ihnen Verbindungen einzugehen. „Das gesprochene literarische Wort gehört neben dem bewegten Körper, dem gestalteten Raum und dem musikalischen Ereignis zu den vier ästhetischen Parametern des Theaters.“3 Dabei kann der semantische Inhalt des Textes mitunter auch in den Hintergrund treten, um durch Intonation, Gestik und Mimik ersetzt zu werden. Im Darstellenden Spiel wird Sprache nicht nur präsentiert sondern auch produziert und variiert.4

Wir experimentieren in unserem Workshop mit dem Sprechen auf der Bühne, verbinden Sprache und Stimme, nutzen die Fantasiesprache Gromolo zur Rollenfindung und thematisieren die Bewertung von Sprechen im Fach Darstellendes Spiel. Dabei werden die Teilnehmer/-innen selbst kurze Szenen entwickeln und präsentieren, um anschließend gemeinsam über das Erlebte zu reflektieren und die Möglichkeiten der Methode(n) auszuloten. Sie sollten für diesen Workshop Lust am Spiel mitbringen und offen für Experimente sein.

1 Schlünzen, Wulf: Werkstatt Schultheater, Zur Didaktik und Methodik. Hamburg 2009. S. 18.

2 ebd.

3 Ritter, Hans Martin: Körper und Sprechen, In: Gabriele Czerny (Hg.): Theaterpädagogik. Augsburg 2004. S. 53.

4 Vgl. Schlünzen, Wulf: ebd.

Anna Daniela Meichsner ist Oberstudienrätin an der Martin-Luther-Schule Marburg (Gymnasium) mit den Fächern Deutsch, Philosophie/Ethik und Darstellendes Spiel. Sie unterrichtet seit dem Jahr 2007 in der Sek. I und II. Im Fach Darstellendes Spiel ist sie seit 2012 eingesetzt, seit 2014 betreut sie die Theater-AG der Oberstufe.

  • Mende, Michael

Wie entstehen Text to Speech Stimmen? (Workshop, ehem. bei Carolin Mende)

Text-to-Speech-Technologie wird heutzutage weitläufig eingesetzt, beispielsweise in Automaten, Telefondialogsystemen oder Ansagesystemen. Wie eine solche Stimme entsteht, welche Rolle das Stimmmodell dabei spielt, welche Eigenschaften ein TTS-Sprecher mitbringen muss und warum sie nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Sprecherberuf zu sehen ist, soll in diesem Workshop vermittelt werden. Außerdem soll live mit den Stimmen gearbeitet werden, um zu sehen, welche Qualität man mittlerweile mit den oft verschmähten „Computerstimmen“ erreichen kann. Hierzu können die Teilnehmer in einem Livesystem Texte eingeben und deren Aussprache auf verschiedenste Art und Weise verändern. 

Michael Mende, CTO der Aristech GmbH,  ist Computerlinguist und Informatiker. Seit 1989 hat er in der europäischen Sprachtechnologiebranche eine maßgebliche Rolle gespielt. Er arbeitete 12 Jahre bei IBM, davon 7 Jahre als Entwicklungsleiter für Spracherkennung und 5 Jahre für Automatische Übersetzung. Später gründete er die „Mende Speech Solutions GmbH & Co. KG“ und einige Zeit später die „Aristech GmbH“.  Beide Firmen brachte er mit seiner technologischen Kompetenz zu führenden Marktpositionen in der Sprachtechnologiebranche. Nebenher ist er leidenschaftlicher Mundartautor und Schauspieler.

  • Meyer, Barbara E.

Gute gefragt ist halb gewonnen! (Vortrag)

Erstaunlich wenig ist in der aktuellen Forschungsliteratur zur Frage der guten Frage geschildert (vgl. Lindner 2011) und erstaunlich wenig ist dieses Thema in Lehrerfortbildungen präsent. Dabei ist die Frage das zentrale Handwerkszeug des Lehrgesprächs, das auch als gelenktes Unterrichtsgespräch oder „fragen-entwickelnder Unterricht“ bezeichnet wird. Dieses galt lange als das „Herzstück des Unterrichts“ (Gage/Berliner 1996), aber auch in anderen Lehr-Lernmethoden ist die „Lehrerfrage“ ein zentrales Instrument.

In der Praxis führt der Mangel an Wissen und Übung zu guten Fragen leider zu einem problematischen Umgang, der in der häufigen Verwendung von „Ostereier-Fragen“ gipfelt, in der eine offen gestellte Frage (z.B. Was ist das wichtigste Ereignis in der Geschichte Deutschlands?) eigentlich geschlossen gemeint ist und die Schüler/innen oder Studierenden nach der erwünschten Antwort suchen wie nach Ostereiern. Möglicherweise sind diese und andere wenig zielführende Fragepraktiken im Laufe der Zeit sogar zu einem problematischen Kulturgut geworden, aus der sich Lehrende nur schwer befreien können. Der Vortrag widmet sich daher der Überlegung, welche Fragepraktiken tatsächlich in Lehr-Lernszenarien vorherrschen, welche Mythen rund um die Lehrerfrage existieren und was eine gute Lehrerfrage tatsächlich ausmacht.

Es schließt sich ein Workshop an, in dem erarbeitet werden soll, wie Lehrende durch Übung zu einer guten Fragepraxis kommen und welche Forschungsideen eine gute Fragepraxis unterstützen können. Der Vortrag kann auch ohne anschließende Teilnahme am Workshop besucht werden.

Literatur:

Gage, N.L./Berliner, D.C. (1996): Pädagogische Psychologie, 5., überarb. Aufl. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Lindner, M. (2011): Gute Frage! Lehrerfragen als pädagogische Schlüsselkompetenz. Marburg: Tectum-Verl.

Workshop: Gut gefragt ist halb gewonnen – Wie können Lehrende dabei unterstützt werden, gute Fragen zu stellen?

Der Workshop zur „guten Frage“ setzt den vorangegangenen Vortrag konsequent fort. Es wird einerseits die Überlegung angestellt, welche Übungen Lehrenden dabei helfen können, eine sinnvollere Fragepraktik zu entwickeln und andererseits wird darüber nachgedacht, welche Forschung über zielführende Fragen auch für die Praxis interessant und gewinnbringend wären. Abhängig von Teilnehmerzahl und -interesse werden nach anfänglicher Orientierung und Diskussion Kleingruppen gebildet, welche angesprochene Ideen (evtl. mithilfe von vorgeschlagenen Methoden) weiter präzisieren. Am Ende steht eine Präsentation und ggf. kurze Diskussion der Ergebnisse.

Die Teilnahme am Workshop ist auch ohne den Besuch des vorangegangenen Vortrags möglich.

Barbara E. Meyer studierte Sprechwissenschaften an der LMU München und promovierte dort im Anschluss in Schulpädagogik über kritische Situationen, die Lehrenden in ihren ersten Praxiskontakten erleben. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Hochschuldidaktik der LMU München und freiberuflich tätig als Mitglied des Trainerverbundes Sprachraum eG. Sie ist Autorin des Buches „Rhetorik für Lehrerinnen und Lehrer“ und Mitherausgeberin des „Praxisleitfaden[s] auffällige Schüler und Schülerinnen“.

  • Meyer-Kalkus, Reinhard

Die Vortragsstimme. Überlegungen zur schriftgebundenen Vortrags-Mündlichkeit. (Plenumsvortrag)

Schriftgestützte bzw. -gebundene mündliche Kommunikationsformen haben eine konstitutive Funktion in sozialen Austausch- und Kommunikationsprozessen unserer Gesellschaft. Für Bereiche wie Recht, Religion, Erziehung, Wissenschaft, Politik, öffentliche Meinung und ästhetische Kommunikation sind sie offenbar nach wie vor unverzichtbar. Zu den schriftgebundenen Sprechakten gehören etwa Plädoyers und Urteilsverkündigungen vor Gericht, Predigten und liturgische Rituale in Kirchen und Religionsgemeinschaften, Vorträge, Vorlesungen und Referate in Schulen, Hochschulen und wissenschaftlichen Institutionen, Reden, Kommuniqués, Festansprachen und Nachrichtenablesen in Politik und Öffentlichkeit, Lesungen auf Vortragsbühnen und im Radio. Ich bezeichne diese, jeweils auf unterschiedliche Weise schriftgestützten mündlichen Sprechakte im folgenden als gebundene Vortrags-Mündlichkeit und grenze sie von der Alltagskommunikation ebenso ab wie von Zwischenformen wie der ungebundenen Vortrags-Mündlichkeit, wie sie in improvisierten Ansprachen, Toasts, Spontanreden etc. zu finden ist.

Theaterwissenschaftliche Ansätze zur Analyse solcher Vortragsformate sind in eine Sackgasse geraten, weil sie die Verbindung zwischen dem zugrunde liegenden Text und seiner Performance systematisch kappen und die Vortragsstimme lediglich im Hinblick auf Lautlichkeit, Klang und Rhythmus thematisieren. Demgegenüber stellt ein in der amerikanischen Folklore-Forschung für die Oral Poetry entwickelter Ansatz die Sprachlichkeit des Vortrags in den Mittelpunkt und entwickelt dafür analytische Kategorien wie Performance, Kunstfertigkeit, Verständnisschlüssel und Interperformativität. Mein Vortrag knüpft daran an, indem er ein theoretisches Modell zur Analyse der Vortragsstimme skizzieren wird. Er endet mit Hinweisen auf die aktuelle Entwicklung vieler Formate schriftgebundener Vortragsmündlichkeit unter dem Diktat eines performativen Imperatifs.

Reinhart Meyer-Kalkus lehrt nach langjähriger Tätigkeit am Wissenschaftskolleg zu Berlin als Außerplanmäßiger Professor am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Potsdam. Er hat mehrere Bücher publiziert (u. a. Wollust und Grausamkeit. Affektenlehre und Affektdarstellung in Lohensteins Dramatik am Beispiel von ‚Agrippina‘, Göttingen 1986; Der akademische Austausch zwischen Deutschland und Frankreich, Bonn 1994; Rede, damit ich Dich sehe! Physiognomik der Stimme und Sprechkünste im 20. Jahrhundert, Akademie-Verlag, Berlin 2000) sowie Studien zum deutsch-französischen Kulturtransfer, zur literarischen Vortragskunst seit dem 18. Jahrhundert und zum Verhältnis von Text und Musik.

  • Miosga, Christiane

Stimme und Leseverhalten in Eltern-Kind-Interaktionen mit Bilderbüchern und/oder digitalen Medien? (Vortrag)

Die Mediatisierung unserer Gesellschaft  führt dazu, dass die Gruppe der 1-3 Jährigen zunehmend als Zielgruppe für digitale Mediennutzung (Tablet-PCs, Smart-Phones etc.) entdeckt  wird. In der KIM-Studie 2012 ist diese Gruppe erstmals im Sonderteil „mini-KIM“ aufgenommen worden. Hier finden sich allerdings keine Hinweise zur Art und Qualität der Nutzung von e-books und Tablet PCs und deren Einfluss auf die Entwicklung der „Literacy“  sowie auf Veränderungen der elterlichen stimmlichen Gestaltung im Sinne eines „Parentese“.Im anglo-amerikanischen Raum konnte in Studien festgestellt werden, dass Eltern auch mit 1 – 3jährigen bereits digitale Medien nutzen. Für die Erstellung von e-books wurden bereits Leitlinien zu „best practice“ entwickelt. Darüber hinaus finden sich kontroverse Forschungsergebnisse zum Leseverhalten mit e-books: Einerseits konnte festgestellt werden, dass es zwar zu einem unterschiedlichen Leseverhalten bei e-books, insbesondere bei „enhanced e-books“ und klassischen Bilderbüchern kommt, dass aber bezogen auf den Erwerb verschiedener Aspekte der Literacy keine Unterschiede zu erwarten sind. Im Gegensatz dazu konnte in anderen Studien festgestellt werden, dass gerade die übermäßige Verwendung von „hotspots“ in „enhanced e-books“ dazu führen kann, dass ein Verständnis der gesamten Geschichte bei den Kindern erschwert wird und dass das gemeinsame Lesen gegenüber der Aufmerksamkeit auf Spiele und andere Ablenker verloren geht. So scheint die Qualität der verwendeten e-books sowie die stimmliche Gestaltung der Eltern-Kind-Interaktionen einen erheblichen Einfluss auf die zu erwartenden Ergebnisse zu haben.

Im Vortrag soll das Nutzungs- und (stimmliche) Leseverhalten sowie die Qualität der angebotenen Medien (Apps, e-books…) im deutschsprachigen Raum, insbesondere für die Zielgruppe der 1-3jährgen diskutiert werden.

Christiane Miosga: Studium der Sonderpädagogik mit den Schwerpunkten Musik und Sprachheilpädagogik. Seit 1993 selbstständige Tätigkeit in den Bereichen Logopädie, Sprecherziehung und Kommunikationstraining. Seit 2002 Akademische Rätin in der Abteilung Sprach-Pädagogik und -Therapie an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Dissertation schrieb sie zum Thema „Habitus der Prosodie – Die Bedeutung der Rekonstruktion von personalen Sprechstilen in pädagogischen Handlungskontexten“.  Die Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich der vokalen Kommunikation (Prosodieforschung, Sprecherziehung, Stimmbildung, Theorie und Therapie bei Stimmstörungen und Stottern).

  • Müller, Annegret

Antwort auf „Die Vortragsstimme. Überlegungen zur schriftgebundenen Vortrags-Mündlichkeit.“ (Respons zum Plenumsvortrag von Reinhard Meyer-Kalkus)

Annegret Müller, Sprecherin und Sprecherzieherin, Professorin für Sprechkunst an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und Institutsleiterin am Institut für Sprechkunst und Kommunikationspädagogin. Studium der Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Künstlerische Arbeiten zu Stimme, Sprechperformance und Sprechausdruck. Fortbildungstätigkeiten im Bereich Sprechpädagogik und angewandte Rhetorik. Trainings und Coachings. Sprechkünstlerische Kooperationen insbesondere mit Musikern in Verbindung von Musik und Sprechstimme, Musik und Sprache. Rezitationen.

  • Müller, Constanze (mit Tina Frisch und Julia-Toni Reiche)

Bewertungskriterien für das Debattenformat „MüKomm“. (Vortrag)

Die Bildungsstandards im Fach Deutsch fordern den Kompetenzerwerb im Bereich Sprechen und Zuhören, machen jedoch ausgerechnet in diesem wenig beforschten und in der Schule oft stiefmütterlich behandelten Feld keine Vorschläge zu Lern- und Prüfungsaufgaben. Die folgenden Ausführungen wollen hier Abhilfe schaffen, indem das herkömmliche Debattenformat deutschdidaktisch und sprechwissenschaftlich aufbereitet wurde, sodass schließlich die mündliche Kommunikationskompetenz im Allgemeinen diagnostiziert und beschrieben werden kann. In unserem 90-minütigen Workshop wird dieses Debattenformat „MüKomm“ vorgestellt und durchgeführt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit den eigens für die „MüKomm“ konzipierten Bewertungsbogen während der Debatte zu testen und im Anschluss ihre Eindrücke in Form von Feedback zu äußern und Fragen zu stellen.

Constanze Müller (Jg. 1992) studierte BA Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre Bachelorarbeit thematisierte Bewertungskriterien des Debattenformats MüKomm im Hauptbereich Zuhören. Seit Juli 2014 ist Constanze Müller im Masterstudiengang der Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit der Spezialisierung Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen resp. klinische Sprechwissenschaft immatrikuliert. Parallel zu ihrem Studium arbeitet Constanze Müller in einer Nebentätigkeit im Bereich der Logopädie.

  • Multmeier, Xenia (mit Sarah Giese)

Produktion und Erlauschung zweier Minihörspiele. (Workshop)

Hörspiele erfreuen sich nach wie vor bei den verschiedensten Altersgruppen enormer Popularität. Die Art der Umsetzung ist mannigfaltig. Doch wie kann man aus einem schon längst kanonisierten Text noch ein spannendes, neues Hörerlebnis kreieren? Wie massentauglich kann ein klassischer Text für die „Hörspielcommunity“ sein? Um dies auszuprobieren und zu überprüfen, sollen anhand zweier unterschiedlicher Herangehensweisen – mit  verschiedenen szenischen Methoden aus dem Theaterbereich – zwei Minihörspiele nach ein und demselben Text produziert werden.

Sarah Giese und Xenia Multmeier bieten an, in zwei parallelen Gruppen aktiv an neuen Versionen der Ballade „Die Füße im Feuer“ von Conrad Ferdinand Meyer mitzugestalten.
Die Produktionsprinzipien orientieren sich zum einen an den Arbeitsweisen des Szenischen Lesens, in der zweiten Gruppe wird nach einer anarchischen Struktur (z.B. Auflösung der Chronologie, Assoziieren von angrenzenden Sounderlebnissen aus Innen- oder Außenwelt) dekonstruiert und produziert. Nach der Herstellung der Hörfassungen werden die Ergebnisse präsentiert und nach einem Fragenkatalog ausgewertet.

 

Xenia Multmeier studierte Sprechwissenschaft und Sprecherziehung, Philosophie, Germanistik und Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Im Rahmen des Studiums und des künstlerischen Werdegangs besuchte sie zahlreiche Fortbildungen im Bereich Regie und Schauspiel. Sie arbeitet mit dem Label “theater en face” seit dem Jahr 2000 und produziert jährlich zwei Theaterprojekte zwischen Tanz-/Körpertheater, Sprechtheater und Performance.

  • Nawka, Philipp (mit Thomas Hoffmann)

Stimmtrainings für Lehrer/innen –Ein Erfahrungsbericht. (Vortrag)

Philipp Nawka und Thomas Hoffmann geben seit 2012 vom Mitteldeutschen Verband für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung e. V. zertifizierte Trainings für Lehrerinnen und Lehrer. Der Vortrag soll einen Einblick in diese Arbeit geben. Problematisiert werden dabei u. a. folgende Fragen:

  • Wie schaffe ich den „Spagat“, um innerhalb kurzer Workshop-Zeit einen großen stimmlichen Nutzen zu erreichen?
  • Welche theoretischen Inhalte und welche praktischen Übungen sind unserer Meinung nach essentiell?
  • Wie kombiniere ich sinnvoll Übungen im Gruppenformat mit genügend Raum für die individuelle Stimmarbeit?

Je nach Zusammensetzung des Auditoriums können praktische Übungen vorgestellt werden.

 

Philipp Nawka (Dipl. Sprechwissenschaft) ist freiberuflicher Sprecher und Trainer. Im Kontext Lehramt leitet er Seminare und Workshops für Studenten, Referendare und berufstätige Lehrer/innen im Bereich Stimme und Kommunikation. Als Sprecher ist er in Radio-Comedys, Audio-Guides, Werbeclips und Voice-Over-Dokumentationen zu hören.

  • Nebert, Augustin U.

Das Technische der Audioproduktion. Mit welcher Ausstattung kann ich was erreichen? (Workshop)

Am Anfang ist das Mikrofon – aber welches wählt man aus der Vielfalt der Angebote – und für welchen Zweck? Und mit welchen Geräten nimmt man auf? Und wofür benötigt man einen Mikrofonvorverstärker – ist ein De-Esser etwas zum Abnehmen – oder ein Kompressor etwas zum Zunehmen? Und weshalb soll man eine Audioaufnahme „normalisieren“ – ist sie sonst „unnormal“? Und was bedeuten die einzustellenden Parameter für die Audioqualität – und wie hören sie sich an?
In dem Workshop dreht es sich rund um die technischen Möglichkeiten bei der Audioaufnahme. Angefangen bei den Richtcharakteristiken von Mikrofonen – und der Erläuterung, für welchen Einsatz sich welche Mikrofone eignen, wie ein günstiger Übertragungsweg ist und wie eine Audioaufnahme erfolgen sollte, wird anschließend die Postproduktion geübt. Es wird darüber diskutiert, wie sinnvoll eine Rauschentfernung ist, welche Vor- und Nachteile verschiedene Effekte haben und welche Merkmale einen „Radiostimmschlüssel“ ausmachen. Es wird auch darauf eingegangen, welche technische Ausstattung für Audioproduktionen innerhalb universitärer Lehrveranstaltungen unbedingt notwendig ist und auch, welche Lösungsmöglichkeiten es bei schlechterer technischer Ausstattung gibt, bzw. wie eine gute technische Ausstattung kostengünstig erfolgen kann.
Wichtig für alle Teilnehmer: Bitte bringen Sie einen eigenen Klapprechner und Kopfhörer mit und installieren Sie im Vorfeld das kostenlose Audioprogramm „Audacity“ (http://audacity.sourceforge.net/?lang=de), mithilfe dessen die Nachbearbeitung der Aufnahmen erfolgen wird. Und: Bringen Sie bitte eigene Fragen mit, die Sie innerhalb der Audiobearbeitung schon immer einmal stellen wollten.

Augustin Ulrich Nebert  studierte zunächst Gesang, wechselte dann zum Studium der Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und schloss mit Diplom ab. Nach einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Forschungsschwerpunkt der akustischen und auditiven Phonetik promovierte er auf dem Gebiet der interkulturellen Kommunikation. Nach dem Wechsel an das Centrum für Rhetorik, Kommunikation und Theaterpraxis der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster unterrichtet er insbesondere auf dem Gebiet der Rhetorik und des Mediensprechens und leitet sprechkünstlerische Aufführungen auf der Studiobühne.

  • Nenoff, Hans

Paraphrasen im Mediationsprozess. (Vortrag)

Theoretische Einbettung: Eine der wesentlichen Gesprächstechniken im Mediationsgespräch ist das im Konzept des Aktiven Zuhörens genannte Wiederholen/Paraphrasieren (1). Während die meisten AutorInnen (2) beim Aktiven Zuhören zwischen Wiedergabe des sachlichen Gehalts (Paraphrasieren) und Wiedergabe des emotionalen Gehalts (Verbalisieren) unterscheiden, richten andere Konzepte den Fokus eher auf die explizit und implizit in den Äußerungen erhobenen Geltungsansprüche und betonen, dass die Rolle des/der HelfersIn in erster Linie im Eintauchen in die Erlebniswelt der KonfliktpartnerInnen steht (3). Problematisch an den vorhandenen Ansätzen ist, dass sich paraphrasierende Interventionen einer systematischen Beschreibung entziehen – da sie entweder die über den propositionalen Gehalt hinausgehenden Aspekte ausgrenzen, oder eine „technische“ Beschreibung a priori ablehnen. Deshalb wurde bereits ein dreidimensionales ‚Modell des Verstehenden Zuhörens‘ zur Kategorisierung entwickelt, mit welchem die paraphrasierenden Äußerungen der MediatorInnen beschrieben werden können.
Unabhängig vom Beschreibungsansatz ist  die Paraphrase im Mediationsprozess eine im Gegensatz zum Alltagsgespräch häufig realisierte Intervention. Und obwohl oder gerade weil sämtliche AutorInnen eine Form-Beschreibung mit Hilfe natürlichen Sprachmaterials schuldig bleiben, liegen die Meinungen über die angemessene Verwendung der Paraphrase sehr weit auseinander.

Methode / Fragen: Kern der Dissertation ist eine qualitativ-gesprächsanalytische Beschreibung und Auswertung von paraphrasierenden Äußerungen in natürlichen Mediationsgesprächen. Das Korpus besteht aus sechs Mediationsfällen, von denen jeweils ein bis drei Sitzungen aufgezeichnet wurden (Gesamtdauer: ca. 28h; drei Fälle: Audio/Video; drei Fälle: nur Audio; Co-Mediation in fünf Fällen). Das Korpus wurde bereits vollständig transkribiert.
Mein Dissertationsprojekt soll einen Beitrag leisten zur Form-Beschreibung von Paraphrasen innerhalb der Gesprächssorte ‚Mediationsgespräch‘. Hier eine Auswahl meiner Fragen: Wie nah und explizit bleiben die MediatorInnen an den Äußerungen der KonfliktpartnerInnen? Welche der erhobenen Geltungsansprüche werden von den MediatorInnen bevorzugt aufgegriffen? Wie werden die Paraphrasen in den Mediationsprozess eingebettet?

Hans Nennof ist seit 2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Sprechwissenschaft und Phonetik am Institut für Germanistische Sprachwissenschaft der FSU Jena, Promotion zum Thema „Techniken der Gesprächsführung im Mediationsprozess“, 2012 Ausbildung zum Mediator nach den Richtlinien des Bundesverbandes Mediation e.V. (BM), seit 2009 Freiberuflich tätig als Klärungshelfer, Mediator und „Kommunikationstrainer“, 2002-2009 Studium der Sprechwissenschaft (Dipl.) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 2005-2006 Studium Deutsch als Fremdsprache an der Universität Leipzig

  • Neumann, Julia

Was wir hören können, wenn wir Hörbüchern lauschen – Versuch einer Systematik des sprecherzieherischen Zuhörens. (Vortrag)

Der Vortrag versteht sich als ein Entwurf zu dem Zweck, eine Diskussion darüber anzuregen, wie es gelingen kann, die Vielfältigkeit des Zuhörens zu systematisieren und zu konzeptionalisieren. Es fehlen Begriffe. „Hörverstehen“ beispielsweise ist zu unscharf, um zu erfassen, was und wie wir (zu)hören, wenn wir uns mit dem Hörbuchsprechen befassen.

Wer Hörbüchern lauscht, nimmt viele Aspekte des auditiv Wahrnehmbaren lediglich am Rande, unbewusst, intuitiv wahr. Wir entwickeln innere Bilder, lassen uns in das Geschehen hineinziehen, erleben Figuren, Handlung, Emotionen. Stehen für die Zuhörenden der Hörgenuss und die Unterhaltung im Vordergrund und macht die vortragende Person ihre Sache gut, fällt das „Wie“ kaum auf. Fokussieren wir unsere Wahrnehmung dagegen, können wir Aussagen treffen über die Besonderheiten des Textsprechens und die Vorlesekompetenz, über Stil und Eigenarten der Textvorlage, über den Stimmgebrauch und die Atem- und Sprechtechnik, über die sprechende Person und ihre Beziehung zum Text sowie zu ihren Adressaten, möglicherweise sogar über die äußeren Bedingungen der Aufnahme, den Umgang mit der Studiotechnik, raum-zeitliche Rahmenfaktoren u.a. Um das Gehörte selektiv wahrnehmen zu können, braucht es ein geschultes Ohr. Um sprechwissenschaftlich / sprecherzieherisch mit der Vielfalt von Höreindrücken umzugehen – sei es zur Schulung von Hörbuchsprecherinnen und -sprechern, sei es mit dem Ziel einer differenzierten Hörbuchkritik, ist es wichtig, differenziert beschreiben zu können, was da hörbar wird. Auf dieser Grundlage lässt sich erschließen, was jemand tut bzw. wie welche Effekte zu erzielen wären.

Julia Neumann ist promovierte Germanistin und Sprechwissenschaftlerin /
Sprecherzieherin (DGSS). In ihre Abschlussarbeit zur Beurteilung
sprecherischer Leistung bei der Hörbuchproduktion (DGSS-Prüfstelle Münster
2011) ließ sie ihre Erfahrungen als Hörbuchsprecherin und Trainerin in der
Westdeutschen Blinden-Hörbücherei Münster e.V. einfließen. Seit dem WS 2009/10
unterrichtet sie am Centrum für Rhetorik der Universität Münster
Sprecherziehung mit den Schwerpunkten Stimm- und Sprechbildung sowie Vorlesen.

  • Pabst-Weinschenk, Marita

15 Jahre hochschulradio düsseldorf. Der Klang eines jungen Senders. (Vortrag)

Studierende der Düsseldorfer Hochschulen betreiben seit 2000 einen eigenen Sender. Mit Unterstützung der Asten und der Landesanstalt für Medien wird ein eigenes Programm rund um die Uhr gefahren (ohne Übernahme des Musikmantelprogramms der Lokalsender NRW). Auf der Frequenz 97,1 Mhz in Düsseldorf und überregional im Kabelnetz von Unitymedia auf der 91,2 und über Internetstream wird das Programm der unabhängigen Studierenden-Redaktion ausgestrahlt. Träger ist der Verein Hochschulradio Düsseldorf e. V.  Das Team von hochschulradio düsseldorf besteht aus Studierenden aller Fachrichtungen und Semester. Geplant wird das Programm rund um das Uni- und Stadtleben in den Redaktionssitzungen der Gesamtredaktion und der einzelnen Ressorts. Die Musikredaktion sucht jede Woche die besten Songs aus – vorbei am Mainstream-Dudelfunk. Die Redaktion ist offen für alle Interessierten Mitglieder der Heinrich-Heine-Universität, der Fachhochschule Düsseldorf, der Robert-Schumann-Hochschule und der Kunstakademie Düsseldorf. Neue Radioformate, Kooperationen mit Seminaren und kreative Radio-Einsteiger finden einen Platz im Programm.
Die ModeratorInnen der Morgensendung insider und der Nachmittagssendung rushhour bringen die Hörer mit guter Laune durch den Tag. Das Redaktionsteam liefert die neuesten Infos, Nachrichten, Beiträge und Veranstaltungstipps zu Politik, Hochschulpolitik, Sport, Kulturszene und Filmwelt. Daneben gibt es seit 2012 auch wöchentlich eine Stundensendung über Softskills, in der vor allem Beiträge aus meinen Veranstaltungen (Radiotextsorten, Sprechkontakte, Sprechstile etc.) gesendet werden und die ich selbst moderiere.

In diesem Vortrag wird gezeigt, wie das studentische Radio funktioniert, was und wie die Studierenden, die sich an diesem Projekt beteiligen, lernen und – im Hinblick auf das Tagungsthema – wie dieses junge, semi-professionelle Radio klingt und welche Kenntnisse und Erfahrungen die Studierenden speziell sprecherzieherisch und medienrhetorisch erwerben.

Marita Pabst-Weinschenk, Jg. 1955, Dr. phil., Lehrerin und Sprechwissenschaftlerin, über dreißig Jahre Erfahrungen in der Weiterbildung in Management, Verwaltung, Schule und Hochschule; seit 1999 Wiss. Mitarbeiterin im Bereich Mündlichkeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Professurvertretungen: 2008 in Lüneburg, 2009-2011 in Düsseldorf, 2013/14 in München. 2. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS) e. V., ferner Mitglied in der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) e. V. und im Symposium Deutschdidaktik (SDD) e. V.; Autorin zahlreicher Fachpublikationen zum Thema „mündliche Kommunikation“; im Vorstand von hochschulradio düsseldorf seit 2010, seit 2011 eigene wöchentliche Sendung „softskills“.

  • Pérez, José Fernández

Vom Bilderbuch zum Hörspiel. (Vortrag + Workshop)

Das postmoderne Bilderbuch eröffnet durch seine Entgrenzung thematische und gestalterische Möglichkeiten, die dieses Medium für einen breiteren Adressatenkreis interessant macht. Roberto Innocenti stellt mit Rosa Weiss den Beginn der Thematisierung des Holocausts im Medium Bilderbuch dar und offenbart das Potenzial dieses Mediums für die Pflege des kulturellen Gedächtnisses. Seit Mitte der 1990er Jahre stellt die Entwicklung der Kinder- und Jugendkultur im Medienverbund den Deutschunterricht vor einer medienerzieherischen Herausforderung. Gleichwohl wird der Literaturunterricht durch den Einsatz von Medien bereichert und kann unter anderem der Bedeutung des Hörens von Literatur in der Lesesozialisation gerecht werden sowie die Hör-, Lese- und Medienkompetenz fördern.

Der Beitrag berichtet von dem Versuch, das Bilderbuch Rosa Weiss in Form eines Hörspiels zu verarbeiten. Im Zentrum des Beitrags steht die Frage, ob es durch die Gestaltung des Hörspiels gelingen kann, den Opfern eine Stimme zu verleihen, und ob durch die Produktion und Rezeption des Hörspiels die Dimension des verbrecherischen Handelns erfasst werden kann.

Im Workshop werden die erforderlichen Schritte zur Verfassung eines produktionsreifen Hörspielmanuskripts aus einer literarischen Bilderbuchvorlage erörtert. Des Weiteren wird das technische Know-How für das Erstellen eines Storyboards sowie für das Aufnehmen, Nachbearbeiten und Mischen am Computer vermittelt.

Pérez, José Fernández: Studium der Germanistik und der Hispanistik an der Philologischen Fakultät der Universität von Santiago de Compostela (Spanien) von 1989 bis 1994. Zwischen 1995 und 2010 Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik und am Zentrum für interdisziplinäre Lehraufgaben an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Schuldienst als Deutsch- und Spanischlehrer von 2001 bis 2014 im Öffentlichen Dienst des Landes Hessen tätig. Seit 2010 als Pädagogischer Mitarbeiter für besondere Aufgaben im Arbeitsbereich Literatur des Instituts für Germanistik der Universität Gießen tätig. Seit 2014 als Studienrat im Hochschuldienst an der Justus Liebig Universität Gießen tätig. Zur Zeit Arbeit an der Promotion zum Thema „Zur literarischen Konfiguration der DDR in der Gegenwartsliteratur“.

  • Pfeffer, Eckard (mit Daniela Meichsner)

Sprechen, Sprache und Text im Fach Darstellendes Spiel. (Workshop)

Galt Theaterspielen in der Schule früher noch hauptsächlich als Leistung des Erinnerns von Textmassen, hat sich dieses Bild heute gewandelt. Die Hegemonie des Textes bzw. der Sprache tritt im postdramatischen Theater den Rückzug an und so wird auch im Fach Darstellendes Spiel die Fokussierung auf den Text aufgelöst. „Mit der über viele Jahre fortschreitenden Etablierung hat sich Darstellendes Spiel/Theater immer wieder ausdrücklich vom Deutschunterricht abgesetzt […].“1

Dennoch lebt die Bühne von Figuren, die sich auch durch ihre spezifische Sprache und Sprechweise definieren. Sprache ist „wesentlicher Ausdrucksträger […] und ästhetisches Gestaltungsfeld.“2 Sie hat die Möglichkeit, auf der Bühne sämtliche andere theatralische Zeichen zu ersetzen oder mit ihnen Verbindungen einzugehen. „Das gesprochene literarische Wort gehört neben dem bewegten Körper, dem gestalteten Raum und dem musikalischen Ereignis zu den vier ästhetischen Parametern des Theaters.“3 Dabei kann der semantische Inhalt des Textes mitunter auch in den Hintergrund treten, um durch Intonation, Gestik und Mimik ersetzt zu werden. Im Darstellenden Spiel wird Sprache nicht nur präsentiert sondern auch produziert und variiert.4

Wir experimentieren in unserem Workshop mit dem Sprechen auf der Bühne, verbinden Sprache und Stimme, nutzen die Fantasiesprache Gromolo zur Rollenfindung und thematisieren die Bewertung von Sprechen im Fach Darstellendes Spiel. Dabei werden die Teilnehmer/-innen selbst kurze Szenen entwickeln und präsentieren, um anschließend gemeinsam über das Erlebte zu reflektieren und die Möglichkeiten der Methode(n) auszuloten. Sie sollten für diesen Workshop Lust am Spiel mitbringen und offen für Experimente sein.

1 Schlünzen, Wulf: Werkstatt Schultheater, Zur Didaktik und Methodik. Hamburg 2009. S. 18.

2 ebd.

3 Ritter, Hans Martin: Körper und Sprechen, In: Gabriele Czerny (Hg.): Theaterpädagogik. Augsburg 2004. S. 53.

4 Vgl. Schlünzen, Wulf: ebd.

Eckhard Pfeffer ist Studienrat an der Ricarda Huch Schule Gießen mit den Fächern Geschichte, Sport, ev. Religion und Darstellendes Spiel, Leitung Fachbereich II (beauftragt).

  • Porsch, Regine

Veränderte Theaterlandschaft -anderes Curriculum? (Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Die traditionelle Theaterlandschaft wandelt sich seit einigen Jahren sehr stark, sie wird dem Wirtschaftsliberalismus unterworfen. Das bedeutet immer weniger feste Engagements an Stadt- oder Staatstheatern, immer mehr Schließungen oder Fusionen von Stadttheatern, dafür zahlreiche private Theatergründungen mit individueller Förderung, je nach Kassenlage der Region. Und die staatlichen Schauspielhochschulen entlassen jährlich 200 sehr gut ausgebildete AbsolventInnen in diese Realität. Das zwingt uns, die Studierenden so gut es geht mit schauspielerischem Handwerk und darüber hinaus mit Fertigkeiten auszustatten, die andere berufsnahe Chancen am Arbeitsmarkt zulassen. Neue Ausbildungsinhalte müssen Eingang in die Curricula der Hochschulen / Kunstuniversitäten finden – auch im Bereich der Sprecherziehung. Dabei sollten diese Lehrangebote möglichst flexibel angeboten werden. Das eröffnet uns als Sprechwissenschaftler/innen und Sprecherzieher/innen neue Tätigkeitsfelder an Staatlichen Schauspielhochschulen.

Regine Porsch: Studium der Sprechwiss. und Germanistik in Halle/.S., Diplom, Lehrkraft für Sprecherziehung an der HS für Musik und Theater Leipzig (Schauspielinstitut „Hans Otto“), Gastprofessur für Sprechen literarischer Texte am Literaturinstitut Leipzig, Lehrauftrag an der Semperoper Dresden für Sprech-Coaching, seit 2004 UnivProf.in für Sprachgestaltung an der Kunstuniversität Graz, Inst. Schauspiel, 2012 Lehrauftrag am Max-Reinhardt-Seminar Wien, zahlreiche Weiterbildungsveranstaltungen an der Karl-Franzens-Universität Graz für HochschullehrerInnen.

  • Rastetter, Claudia (mit Julia Kiesler)

Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater. (Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Auf der Bühne des zeitgenössischen Theaters hat sich der Umgang mit Texten, mit gesprochener Sprache und mit Stimme grundlegend verändert. Texte werden chorisch gesprochen, sie werden musikalisiert und rythmisiert, monologisierend statt dialogisch gestaltet und sie sind nicht mehr unbedingt in die Repräsentation von Handlungen und schauspielerische Vorgänge auf der Bühne eingebunden. Das Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“ der Hochschule der Künste Bern untersucht anhand verschiedener Probenprozesse Herangehensweisen und Verfahren der Textarbeit, die mit traditionellen Theaterpraktiken brechen und veränderte Darstellungs- und Sprechformen hervorbringen. Der Vortrag stellt das Projekt in Kürze vor und thematisiert die bisher gewonnenen Erkenntnisse anhand zweier Beispielinszenierungen. Es werden das Playback-Verfahren der Inszenierung „Warum läuft Herr R. Amok“ (Rainer Werner Fassbinder) in der Regie von Susanne Kennedy (Premiere am 27.11.2014 an den Münchner Kammerspielen) sowie der Prozess der Musikalisierung und Monologisierung innerhalb der Probenarbeit zu „Faust“ (Johann Wolfgang von Goethe) in der Regie von Claudia Bauer (Premiere am 10.09.2014 am Konzerttheater Bern) beleuchtet. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche darstellerischen Möglichkeiten und Herausforderungen die beschriebenen Verfahren hervorbringen und welche Rolle sie innerhalb der Schauspielausbildung spielen könnten.

Claudia Rastetter studierte von 1997-2002 Diplom-Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach ihrem Studium unterrichtete sie an den Hochschulen für Musik in Weimar und Dresden sowie der Universität der Künste Berlin als Dozentin für das Fach Sprecherziehung im Bereich Gesang/Musiktheater und in der Schauspielausbildung an der Theaterakademie Mannheim. Als Sprecherzieherin arbeitete sie mit dem Schauspielensemble des Theaterhauses Jena und betreute verschiedene Opernproduktionen am Nationaltheater Mannheim. Seit März 2014 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“ an der Hochschule der Künste Bern.

  • Redecker, Beate

Sprechkunst in Stimmtherapie. (Vortrag)

Das idiopathische Parkinsonsyndrom (IPS) ist eine neurodegenerative Er-krankung, die im fortgeschrittenen Stadium bei über 80% aller Patienten zu einer hypophonen Dysarthrie führt und damit diverse Bereiche der Stimme und Sprechweise erheblich beeinträchtigt.
Die daraus resultierende Minderung der Verständlichkeit wirkt sich direkt auf Aktivitäten des täglichen Lebens aus und damit auch auf den Wunsch und das Vermögen zu kommunizieren.
Patienten mit fortgeschrittenem IPS wurden in eine kontrollierte, randomi-sierte Studie (STOP-IT) aufgenommen. Sie erhielten über 2 Wochen hin-weg täglich eine Therapieeinheit entweder (a) nach einem funktionskreis-basierten Trainingskonzept mit dem Fokus auf Stimme, Atmung, Artikula-tion und Prosodie oder (b) nach einem multimodalen Trainingskonzept in Anlehnung an das Gestische Sprechen mit Fokus auf situationsangemes-senem Sprechausdruck und konkretem Hörerbezug. Beide Therapiekon-zepte nutzen dabei als Arbeitsmaterial verschiedene literarische Texte (Gedichte und Kurzprosa), die für beide Trainingskonzepte identisch sind. Vor der Therapie, nach der 2-wöchigen Therapie und nach drei Monaten ohne Therapie wurden verschiedene Sprachdaten (Silben, Wörter, Sätze, Lese- und Spontansprache) aufgezeichnet, um verschiedene Verfahren zur Verständlichkeitsmessung zu evaluieren und um akustische Datensätze zu erheben. Darüber hinaus beurteilten sich die Patienten zu allen drei Mess-punkten selbst in Bezug auf die eigene Wahrnehmung stimmlicher Defizite durch Fragebögen wie den Voice Handicap Index (VHI) oder den Parkin-son`s Disease Questionnaire 39 (PDQ 39).
Erste Ergebnisse der STOP-IT-Studie zeigen:
1.        signifikante Veränderungen zwischen den Prä- und den Post-Aufnahmen in der Verständlichkeit auf Satz- und auf Textebene für die Gruppe der Patienten aus Trainingskonzept (a).
2.        signifikante Veränderungen zwischen den Prä- und den Post-Aufnahmen in der Selbstwahrnehmung der Patienten, die mit einem starken Rückgang des Voice Handicaps (VHI) für die Patienten aus Trainingsgruppe (b) korrelieren.
3.        Veränderungen im akustischen Vokalraum. Für die Gruppe der männli-chen Sprecher lassen sich signifikant erhöhte F1-Werte für /a:/  sowie eine signifikant vergrößerte Euklidische Distanz zwischen /a:/ und /u:/ in den Post-Aufnahmen nachweisen. Beides deutet auf einen erhöhten akustischen Kontrast der Vokalkategorien hin.
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass sich literarische Texte für die Arbeit mit Parkinsonpatienten in der Therapie zur Verbesserung der Ver-ständlichkeit eignen. Die Art des Trainings scheint dabei aber verschiede-ne Faktoren wie Verständlichkeit, Selbstwahrnehmung und kommunikati-onsbezogene Lebensqualität differenziell zu beeinflussen.

Beate Redecker, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Sprechwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und unterrichtet dort Studierende des B.A. Sprechwissenschaft & Phonetik in Modulen wie: Sprechbildung, Grundlagen und Anwendungsgebiete der rhetorischen Kommunikation, Sprechkunst und Methodik & Didaktik. 2006 wurde sie mit einer Arbeit zum Thema „ Persuasion und Prosodie. Untersuchung zur Perzeption emotionaler Sprechweisen am Beispiel einer Parfumwerbung.“ promoviert. Ihr aktuelles Forschungsprojekt (STOP-IT-Study) untersucht in Kooperation mit der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums in Jena den Einfluss sprechkünstlerischer Ansätze in der Therapie mit Parkinsonpatienten bezogen auf die kommunikationsbezogene Lebensqualität und die Verständlichkeit. (http://www.sprechwissenschaft.uni-jena.de/Forschung/Aktuelle+Forschungsprojekte/The+STOP_IT_Study.html)


  • Reiche, Julia-Toni (mit Tina Frisch und Constanze Reiche)

Bewertungskriterien für das Debattenformat „MüKomm“. (Vortrag)

Die Bildungsstandards im Fach Deutsch fordern den Kompetenzerwerb im Bereich Sprechen und Zuhören, machen jedoch ausgerechnet in diesem wenig beforschten und in der Schule oft stiefmütterlich behandelten Feld keine Vorschläge zu Lern- und Prüfungsaufgaben. Die folgenden Ausführungen wollen hier Abhilfe schaffen, indem das herkömmliche Debattenformat deutschdidaktisch und sprechwissenschaftlich aufbereitet wurde, sodass schließlich die mündliche Kommunikationskompetenz im Allgemeinen diagnostiziert und beschrieben werden kann. In unserem 90-minütigen Workshop wird dieses Debattenformat „MüKomm“ vorgestellt und durchgeführt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit den eigens für die „MüKomm“ konzipierten Bewertungsbogen während der Debatte zu testen und im Anschluss ihre Eindrücke in Form von Feedback zu äußern und Fragen zu stellen.

Julia-Toni Reiche (Jg. 1991) studierte Sprechwissenschaft an der Martin-Luther Universität in Halle (BA). Ihre Bachelorarbeit schrieb sie über das Thema „Bewertungskriterien des Debattenformats MüKomm im Hauptbereich Gespräch“. Aktuell studiert Julia-Toni im Master Sprechwissenschaft mit der Spezialisierung Rhetorik, Phonetik, Sprechkunst an der MLU Halle-Wittenberg. Neben dem Studium arbeitet sie für das Hamburger Rhetorikinstitut „Speakupnow“ unter der Leitung der Dipl. Sprechwissenschaftlerin Britta Wenske.

 

  • Rey, Anton

Disembodied Voice. (Plenumsvortrag, öffentliche Veranstaltung im Kino)

Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Forschungsprojekt DISEMBODIED VOICE untersuchte 2012-15 Phänomene der technischen Manipulation der Stimme. Dabei wurden elektroakustische Transformationen und die 3D-Klangprojektion mit «Ambisonics» auf eine bühnenpraktische Anwendung hin erforscht und in einem interdisziplinären Zusammenspiel von Theaterwissenschaft, Soundtechnologie und Theaterpraxis Einsatzmöglichkeiten der mediatisierten Stimme erprobt. Im Fokus lag die Wirkung der Stimmanwendung auf den Akteur selbst, sowie das Potential spezifischer Stimmmerkmale für Gestaltung, Interaktion und Klangtransformation im Bereich des Sprechtheaters.

Anlässlich der Marburger Tagung werden das Projekt und ein „Filmischer Essay“ präsentiert und anschließend diskutiert. Gleichzeitig dient die Erstaufführung als Vernissage für den Sammelband DISEMBODIED VOICE mit DVD/BluRay (Alexander Verlag, Berlin 2015).

 

Anton Rey ist Professor für Theatertheorie und Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Er lehrt und forscht seit 2002 in den Bereichen Film, Tanz und Theater und leitet seit 2007 das Forschungsinstitut für Performing Arts und Film (IPF). Die Forschungsschwerpunkte „Performative Praxis“ und “Filmwissen“ entwickelte er am IPF aus Perspektiven der praktischen Ästhetik, der angewandten Dramaturgie und der anwendungsorientierten Grundlagenforschung in Film, Tanz und Theater.

Zuletzt Vortragstätigkeiten in Brasilien (2014), China (2013), Indien (2012) und Gastdozent an der University of California Santa Barbara (2012). Davor Studium der Theater- und Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin, seit 1985 Arbeiten als Regieassistent, Produktionsleiter, Dramaturg und Regisseur, darunter mit Theater- und Filmemachern wie Peter Stein, Peter Zadek, Robert Wilson, Heiner Müller, Klaus-Michael Grüber, Wallace Shawn, Heiner Goebbels, Wim Wenders, Herbert Achternbusch, Peter Keglevic und Michel Deville. Ab 2015 Mitglied im PEEK Board des Österreichischen Wissenschaftsfonds.

Weblink: http://ipf.zhdk.ch

  • Rost, Katharina

Charakter hören. Zur Performativität der Sprecher/innenStimmen im Hörbuch. (Vortrag)

Wie wirkt die jeweilige individuelle Stimme der Sprechenden mit an der Hervorbringung bestimmter Charaktere? Wie verhält sich die Erzähl- zu den Figurenstimmlichkeiten? Welche Hörweisen bringen die Stimmen hervor?
Mit diesen Fragen möchte ich mich unter dem Leitaspekt des ‚Charaktere-Hörens’ beschäftigen. Im Zentrum steht die Performativität der Stimme, die den Text des im Hörbuchs nicht einfach nur vermittelt, sondern ihn im Sprechvorgang eigens neu hervorbringt und ihn dabei durch ihre je spezifische Eigenart prägt. Nicht nur im Hörspiel, in dem häufig die Diversität der Sprechenden der Vielfalt der Figuren entspricht, sondern auch im Hörbuch, das zumeist von einer einzelnen Stimme zum Erklingen gebracht wird, lassen sich verschiedene Stimmlichkeiten – und Figuren bzw. Erzählinstanzen – unterscheiden. Eine Stimme klingt anders als die andere: Dieser Differenz in der jeweiligen Hörerfahrung Rechenschaft zu tragen und in der Analyse des Hörbuch-Hörens als ein wesentliches Moment der erzeugten Stimmklanglichkeit sowie der damit verbundenen Figuren zu berücksichtigen, ist ein wesentliches Ziel der Analyse. Aus einer dezidiert theaterwissenschaftlichen Perspektive, die im vorliegenden Fall vor allem auf phänomenologische und stimmtheoretische Vorgehensweisen der Beschreibung und Analyse nach Don Ihde, Daniel Schmicking, Jenny Schrödl, Vito Pinto und Doris Kolesch zurückgreift, werden die Stimmen in ihrer Wirksamkeit auf die Hörenden befragt und als performative Phänomene gedeutet. Keine Stimme ist neutral, sondern im Gegenteil besitzt jede Stimme eine ihr eigene klangliche Wirkmächtigkeit sowohl auf der Ebene der Affektion als auch der Assoziation, in deren Rahmen spezifische kulturelle Bedeutungen und Zuordnungen evoziert und aktiviert werden.

Katharina Rost ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie wurde im Februar 2015 an der FU Berlin promoviert; das Thema ihrer voraussichtlich im Herbst 2015 erscheinenden Dissertation sind die vielfältigen Aufmerksamkeitsdynamiken, die durch die Klanglichkeit von Aufführungen hervorgebracht werden. Weitere Forschungsinteressen sind Popmusik und -kultur, Mode sowie Gender und Queer Theory. Sie ist der internationalen Forschungsgruppe ‚Le Son du Théâtre’ assoziiert und gehört der TaPRA, der IFTR sowie der Gesellschaft für Theaterwissenschaft und deren Gender AG an.

  • Rüdinger, Silke

 Fächerübergreifende Tandems –ein Projektbericht. (Impulsbeitrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Dem Anliegen folgend Lehrinhalte der unterschiedlichen Ausbildungsbereiche im Schauspielstudium stärker miteinander zu verknüpfen und somit den Schauspielstudierenden einen besseren Transfer zu ermöglichen, unterrichten Yurgen Schoora, Professor für Physiodrama und Silke Rüdinger, Sprecherzieherin, seit dem Sommersemester 2014 im Team Teaching das Fach „Physiodrama und Stimme“. Elemente dieses Unterrichtes sind Basisübungen, Stimmimprovisation und die Gestaltung von Texten mit physiodramatischen und sprecherischen Mitteln.
Über die Erfahrung mit diesem Projekt soll in diesem Statement berichtet werden.

Silke Rüdinger, Logopädin und Sprecherzieherin (DGSS),
seit 2013 Vertretungsprofessorin für Sprechen im Ausbildungsbereich Schauspiel der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt; Dozentin an der Sprechwissenschaft der Universität Marburg; zuvor freiberufliche Stimmtherapeutin und Sprecherzieherin u.a. für Rundfunksprecher, Sänger und Schauspieler; Dozententätigkeit; Lehrlogopädin; Logopädin an der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des Klinikums der J.W. Goethe Universität Frankfurt.

  • Rühr, Sandra

Hörbuchsprecher. (Vortrag)

Als Thomas Alva Edison 1877 den Phonographen erfand, war eine seiner intendierten Einsatzmöglichkeiten das akustische Familienalbum, das die Stimmen von Familienmitgliedern festhalten sollte. Die Stimme steht hier stellvertretend für die Person, sie ist Klang und Körper gleichermaßen. Sprechkünstlerische Aspekte standen für Edison nicht im Fokus, dennoch führten seine Walzen und später Berliners Schellackplatten zu einem Aufleben der Sprechkunst. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts sprachen Vortragskünstler wie Alexander Moissi Dramenmonologe für den Phonographen oder das Grammophon ein. Ihre Stimmen mit ihrem charakteristischen Klang wurden unsterblich. Da diese aber einerseits durch das aufzeichnende Medium und andererseits durch den zeittypischen Sprechstil beeinflusst wurden, unterscheiden sie sich vom Stimmklang des akustischen Familienalbums. Das mediale Dispositiv formt ihre Stimmen, gleichzeitig haben diese einen authentischen Charakter, indem sie die sprechende Person repräsentieren und bewahren sich ein Eigenleben. Die stimmliche Ausgestaltung liegt seitdem zwischen den beiden Goethe’schen Polen Rezitation und Deklamation beziehungsweise vermittelndem Vorlesen und Rollenspiel. Gemeinsam ist beidem der zu reproduzierende Text, der ausformuliert in schriftlicher Form vorliegt. Der Unterschied liegt jedoch in der Sprecherhaltung, die entweder deutlich macht, „daß hier von einem dritten Objekt die Rede sei“ oder „daß [..] jede leidenschaftliche Regung als wirklich gegenwärtig“ empfunden scheint. Franz Kafka beschrieb Alexander Moissis Stimme als „leichtes Boot im Wasser“, Gert Westphal galt als „König der Vorleser“ und Christian Brückner ist im zeitgenössischen Hörbuchmetier „die Stimme“. Was sagen solche Zuschreibungen zu Stimme und Hörbuchsprecher über das Medium Hörbuch aus? Wie stellen Rezensionen, feuilletonistische Darstellungen und Booklet-Beschreibungen heraus, was ein Hörbuchsprecher mit seiner Stimme zu leisten im Stande ist? Lässt sich daraus eine Stimmklassifikation von Hörbuchsprechern erstellen?
Sandra Rühr studierte Buchwissenschaft, Theater- und Medienwissenschaft sowie Neuere deutsche Literaturgeschichte an der FAU Erlangen-Nürnberg und promovierte 2007 zum Thema Tondokumente von der Walze zum Hörbuch. Geschichte, Medienspezifik, Rezeption. Von 2007 bis 2011 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Buchwissenschaft an der FAU. Seit 2011 ist sie dort Akademische Rätin. Ihre Publikations- und Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Hörbuch, Medien- und Literaturgeschichte, Literaturvermittlung, Lese- und Leserforschung sowie Inszenierung und Eventisierung in Buchkultur und Buchhandel.

  • Schlücker, Barbara (mit Kati Hannken-Illjes und Nicole Dehé)

Literatur lesen und hören. (Vortrag)

Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive steht die Frage nach den funktionalen Unterschieden zwischen geschriebenem Text und Hörbuch und dem Verhältnis zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit im Mittelpunkt. Dabei geht es um Interpretationsmechanismen von Texten, die aus syntaktischer Sicht als schwierig gelten können. Das sind beispielsweise Texte, die syntaktisch sehr komplex oder ambig sind, oder Texte mit Unterspezifikationen auf Diskursebene, d.h. Textstrukturen, die wenig Kohäsionsmittel aufweisen.

Wir stellen uns u.a. die Frage, ob solche Texte in gesprochener Form aufgrund der zusätzlichen Möglichkeiten der gesprochenen Sprache, d.h. prosodisch-intonatorische Mitteln wie Betonung, Pausen, Sprechtempo etc. sowie der stimmlichen Charakteristika, einen funktionalen Mehrwert gegenüber dem schriftsprachlichen Text aufweisen. Ein solcher Mehrwert könnte darin bestehen, dass die Interpretation durch den Hörer schneller erfolgt und/oder „besser“, d.h. weniger fehlerhaft ist. Zudem ist es möglich, dass die Motivation, sich mit dem Text auseinanderzusetzen, sich zwischen selbstgelesenem und gehörtem Text unterscheidet.

Dem Sprecher käme in diesem Fall eine zentrale Rolle für das Hörverständnis zu, da die Verstehensleistung des Hörers direkt von der Interpretation des geschriebenen Texts durch den Sprecher und dessen prosodisch-intonatorischer Realisierung abhängt. Als ein funktionaler Mehrwert des geschriebenen gegenüber dem gesprochenen Text könnte andererseits die Möglichkeit des Lesers betrachtet werden, den Interpretationsprozess durch individuelle, punktgenaue Anpassung des Lesetempos und durch mehrfaches Lesen selbst zu steuern. Hinzu kommt, dass gesprochene Texte schon als Interpretation zu werten sind und so Ambiguität, die als literarisches Mittel fungiert, auflöst und damit eine Verstehensebene löscht.

Didaktische Fragestellung

Die Frage nach einem möglichen Mehrwert von Hörbüchern gegenüber schriftsprachlichen Texten ist auch in Hinblick auf didaktische Zielsetzungen relevant. So stellt die Lektüre literarischer Texte im Deutschunterricht viele Schüler und Schülerinnen bekanntermaßen vor große Probleme. Dies gilt insbesondere auch für Texte aus älteren Sprachstufen.

In unserem Projekt soll daher das Verständnis gelesener und gesprochener literarischer Texte auf Speichermedium im muttersprachlichen Deutschunterricht untersucht werden. Dabei orientieren wir uns an Texten, die im Deutschunterricht häufig verwendet werden und die sich in der Praxis in Hinblick auf das rein sprachbezogene Textverständnis (d.h. nicht unbedingt auch auf die darüber hinausgehende Interpretation) als problematisch erwiesen haben.

 Die aktuelle Studie

Konkret geht es bei der laufenden Studie um die beiden Novellen Das Erdbeben in Chili von Heinrich von Kleist und Kleider machen Leute von Gottfried Keller, d.h. einem sprachlich eher schwierigen Text im Vergleich zu einem leichteren. Die Untersuchung bezieht sich auf Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse.

Barbara Schlücker studierte Germanistische Linguistik und Niederländische Philologie. 2006 erfolgte die Promotion im Fach Germanistische Linguistik, 2012 die Habilitation (Deutsche und Niederländische Sprachwissenschaft). Von 2005-2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin, im WS 2014/15 Vertretung einer Professur für Allgemeine und Germanistische Linguistik an der Universität Konstanz. Seit April 2014 Leitung eines DFG-Projekts an der FU Berlin, seit April 2015 beurlaubt, um eine Professurvertretung an der Universität Leipzig wahrzunehmen. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind Komposita im Deutschen und im Sprachvergleich, Namengrammatik sowie Hörbücher und Hörverstehen im Deutschunterricht.

  • Schmalz-Rauchbauer, Barbara

Stimmarbeit nach Kristin Linklater. (Workshop im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Dieser Workshop vermittelt einen Einblick in die Grundlagen der Stimmarbeit von Kristin Linklater, 
wie sie in ihrem Buch „Die persönliche Stimme entwickeln“ beschrieben sind. 
Linklater entwickelte ein Lehrprogramm, das in der Schauspielausbildung, im Bereich der Stimm- und Sprechpädagogik und in der Logopädie zunehmend auch in Europa auf großes Interesse stößt. Ihre Methode überzeugt durch ein konsequentes, detailliertes Übungsprogramm, 
das die Stimme zu ihrem angeborenen Potential zurückführt.
 Es zielt zunächst über das Lösen von Spannungen und Blockaden im gesamten Körper und insbesondere im Vokaltrakt auf die sensorische Wahrnehmung der Stimme. 
Entwickelt und ausgebaut wird sie durch die Arbeit an den Resonanzräumen sowie an der Kraft, 
wodurch der gesamte Umfang erweitert wird.
Das Kennenlernen der einzelnen Schritte führt zu einem vollständigen Übungsablauf, 
einem „Stimm-Warm-Up“, das sich zum eigenständigen Weiterüben eignet. Nähre Infos zur Linklater-Arbeit: http://www.linklater.de. Achtung, andere Anfangszeit: Fr, 2. Okt. 2015, 15.45-17.45 Uhr (120 min.)
Barbara Schmalz-Rauchbauer, (Univ. Professorin), 
Sängerin, Gesangspädagogin, Diplomsprecherin und -sprecherzieherin, 
Autorisierte Linklater Trainerin seit 2003, Senior Trainerin für die Linklater-Ausbildung seit 2013,
Leiterin der Linklater Kursformate „Befreien der natürlichen Stimme“, „Sound and Movement“, „Advanced Voice Techniques“, „Textwork“ und „Intensive – Training für Unterrichtende“,
in Österreich, Deutschland und Italien.
 Derzeit Professorin für Sprecherziehung im Thomas-Bernhard-Institut an der Universität Mozarteum Salzburg.

  • Schmehl, Christina

Hörbuchkritik: Sprecher und Autor bilden eine kongeniale Kombination. (Vortrag)

Bei einem Einkauf im Buchhandel steht man heute vor der Wahl: Lesen oder hören – Buch oder Hörbuch? Seit Ende der 1990er Jahre ist das Hörbuch erfolgreich und lässt unsere Augen entspannen und die Ohren arbeiten. Der deutliche Zuwachs an Produktionen in den vergangenen Jahren spiegelt dabei das Interesse und die Faszination Hörender für das gesprochene Wort. In der Sprechwissenschaft ist das Thema Hörbuch ein Forschungsfeld, das den Praxisbezug des Faches klar fokussiert. Bislang fehlt allerdings ein Fachbuch zum Thema und daher sind Forschungsfragen noch zahlreich vorhanden. Eine davon lautet: Wie wird Hörbuchsprechen beurteilt?

Dieser Frage ging ich in meiner Masterarbeit mit dem Titel „Beurteilung der Sprecherleistung im Hörbuch“ (2015) nach. Dabei wurden drei verschiedene Hörergruppen beachtet: Sprechwissenschafter, die das Vorlesen eines Prosatextes anhand existierender Kriterienkataloge analysieren können, Laienhörer, dessen Urteile für die Orientierung am Konsumenten von besonderem Interesse sind, und Hörbuchkritiker, die für eine Öffentlichkeit darüber urteilen, warum ein Hörbuch hörenswert ist oder nicht. Eine Untersuchung schriftlicher Hörbuchkritik der hr2-Hörbuchbestenliste – der ältesten deutschsprachigen Institution zur Auszeichnung von Hörbüchern – lies mich Kriterien der dort tätigen Hörbuchjury finden. In einem weiteren Schritt verglich ich diese mit Laienkriterien und Kriterien aus der Sprechwissenschaft, die ich aus aktueller Literatur zusammentrug.

Vorgestellt wird, wie sich diese Beurteilungskriterien für die
Sprecherleistung im Hörbuch ergänzen. Dabei geht es um drei Gruppen von Kriterien: Künstlerisch-inhaltliche Kriterien, stimmlich-sprecherische Kriterien und personenbezogene Kriterien. Welchen Stellenwert diese besitzen und wie meine Ergebnisse weitergedacht und eingesetzt werden können, möchte ich Ihnen sehr gerne vorstellen.

Christina Schmehl ist derzeit als Trainerin sowie stimm- und
sprechtherapeutisch bei Sprecher-Coaching Dr. Iris Eicher in München
tätig. Sie studierte Sprechwissenschaft (M.A.) und akademische
Sprachtherapie (B.A.). In Marburg an der Lahn verfasste sie unter der
Leitung von Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes und mit Unterstützung von
Dorothee Meyer-Kahrweg (hr2-Hörbuchbestenliste) ihre Abschlussarbeit zum
Thema Hörbuchkritik. Sie ist Mitglied des Studierendenvorstands der DGSS.

  • Schmidt, Annalena

„Bücher, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge als HÖR-ERLEBNIS – aber wie?!“ (Workshop)

Bücher, Zeitungen, Zeitschriften werden geschrieben, um gelesen zu werden. Aber inzwischen wird fast aus jedem Lese-Buch auch ein Hör-Buch, Zeitungen und Zeitschriften bieten einzelne Beiträge auch als Audio-Podcast an, die oft nebenbei in Auto, Bus und Bahn gehört werden. Diese neuen Hörgewohnheiten stellen besonders hohe Anforderungen an den Sprecher / die Sprecherin.
Aber auch Buchautoren, die aus Marketinggründen auf Lesereise gehen müssen, stehen vor einer besonderen Herausforderung… Wie kann es ihnen gelingen, den Hörer auf eine spannende und lebendige Hörreise mit zu nehmen?!
Es genügt sicher nicht, einen Text gut gestaltet und betont abzulesen. Sprecher stehen, um starke Aufmerksamkeit zu erzeugen, vor der Aufgabe, sich einen Text so zu eigen zu machen, dass ein individueller, lebendiger, ansprechender Ausdruck entsteht.
Wie das geht?!
– Schalten Sie vor Sprechbeginn Ihre sinnliche Wahrnehmung ein!
– Seien Sie von Kopf bis Fuß auf Ihren (imaginären) Hörer eingestellt
(intentionale Zuwendung!)
– Erzeugen Sie Spannung durch gute Konsonantierung!
– Spannen Sie gut ab, so dass mit dem einfallenden Atem auch der neue
Gedanke einfallen kann – so wird die Pause spannend!
– Sprechen Sie Gedanken und nicht die Wörter, die ihn tragen!
– Seien Sie neugierig auf das Echo, das Sie in Ihrem Hörer auslösen!
So kann eine Lesung, ein Hörbuch, ein Podcast – auch nebenbei gehört – zu einem spannenden Erlebnis für alle Sinne werden.
Bringen Sie Ihre Lieblingsgeschichte, Ihr Lieblingsbuch oder -gedicht, einen Zeitungs- /Zeitschriftenartikel mit und probieren Sie aus, Geschichten zu leBen statt nur zu leSen!
WORKSHOPINHALTE: Analyse von Hörbeispielen, Warm-up (Körper, Atem, Stimme, Artikulation) mit allen Teilnehmern, Textarbeit mit einzelnen Teilnehmern nach Prof. Dr. Horst Coblenzer (Atemrhythmisch Angepasste Phonation)
Stimm-, Sprech- und Körperausdruck ist seit mehr als drei Jahrzehnten mein Metier – als Schauspielerin auf der Bühne und vor der Kamera, als Sprecherin und Synchronsprecherin, als Schauspieltrainerin und seit 1993 als Atem-, Stimm-, Sprechtrainerin (Cert. AAP) und als Medientrainerin.

Annalena Schmidt ist für Radio- und Fernsehsender (Radio Hamburg, NDR-Radiokirche, Klassik Radio, Vox-TV…), für Verlage (Spiegel: Multimedia und Spiegel-Online, Gruner+Jahr : Stern-Online, Geo) und in der journalistischen Aus- und Weiterbildung (Henri-Nannen-Journalistenschule, Hamburg) tätig. Auch Buchautoren, Pastoren, Finanz- und Wirtschaftsmanager gehören zu ihren Kunden.

  • Schuck, Kerstin

„Der Einfluss sprecherisch-stimmlicher Merkmale von Lehrpersonen auf die Informationsverarbeitung im Unterricht“

Erfolgreiches Lernen wird von Hasselhorn/Gold (2009, 66) als gute Informationsverarbeitung beschrieben. Die Informationsverarbeitung unterliegt im Unterricht vielen Einflussfaktoren. Neben der momentanen Disposition der Schüler/-innen, dem Schwierigkeitsgrad des Lernstoffs selbst und dessen Präsentation, gehen weitere Einflussfaktoren von den Lehrern und Lehrerinnen selbst aus. Bei allen unterrichtlichen Prozessen wie z. B. Informationsvermittlung oder Erklärungen von Sachverhalten ist die Stimme und Sprechweise der Lehrpersonen von besonderer Bedeutung.
Diverse Studien (Rogerson/Dodd 2005; Imhof et al. 2014) geben Hinweise darauf, dass die Stimmqualität einen Einfluss auf die Verarbeitung von Informationen hat. Treten bei der Erfassung des akustischen Signals gestörte Laute auf, erhalten Hörer/-innen zusätzliche Aufgaben, weil durch kognitive Prozesse diese gestörten Laute rekonstruiert oder ersetzt werden müssen. Daraus ergibt sich ein erhöhter Aufwand bei der kognitiven Verarbeitung des Gehörten (Behrens 2010, Imhof 2012).
Ich untersuche in meinem Dissertationsprojekt, welche Auswirkungen ein verändertes stimmliches Merkmal (Stimmhöhe) und ein verändertes artikulatorisches Merkmal (Sigmatismus) auf die Konzentration der Schüler/-innen und somit auf die Informationsverarbeitung haben.
Die grundlegende Fragestellung lautet: Führen stimmliche und sprecherische Auffälligkeiten bei Lehrpersonen zu Verarbeitungsschwierigkeiten von Informationen bei Schülern und Schülerinnen? Wenn ja, verbessert sich die Verstehensleistung im Laufe der Zeit durch eine Gewöhnung an die stimmlichen und sprecherischen Auffälligkeiten?
Als Messinstrument für die Informationsverarbeitung der Schüler/-innen werden Hörverstehensfragen zu Texten gestellt, die als Audioaufnahme vorgespielt werden. Um den Einfluss einer erhöhten Stimmlage und der Artikulationsstörung zu untersuchen und alle anderen Faktoren konstant zu halten, wird eine unauffällige Referenzstimme in Merkmalen der mittleren Grundfrequenz und in den akustischen Merkmalen des [s] manipuliert.

Kerstin Schuck ist seit 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Sprechwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und promoviert zum Thema: „Der Einfluss von artikulatorisch- stimmlichen Merkmalen in der Lehrer-Schüler-Informationsverarbeitung“. 2009 beende sie ihr Magisterstudium in den Fächern Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache, Phonetik/Sprechwissenschaft und Romanistik in Jena. Zwischen 2009 und 2011 war sie als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten beschäftigt. Die aktuellen Bereiche ihrer Lehrtätigkeit sind Stimmbildung und Sprechkunst sowie Sprecherziehung für Lehrämter.

  • Schüler, Tim  (mit Martina Haase und Anna Wessel)

Sprechkunst als akademische Disziplin und das zeitgenössische Theater. (Vortrag)

Sprechkunst als akademische Disziplin im Fächerkanon der Sprechwissenschaft hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie auch permanent die aktuelle künstlerische Praxis reflektiert und untersucht. Daraus ergeben sich Rückschlüsse für die Lehre sowohl im Bereich der Theoriebildung als auch in methodisch-didaktischer Hinsicht (vgl. Haase, M. 2013: Definition und Gegenstand der Sprechkunst. In: Ines Bose et.al.: Einführung in die Sprechwissenschaft. Narr Studienbücher. Tübingen, 177 ff; 190 ff.). Ausgehend von einer Gegenstands- und Standortbestimmung der Sprechkunst und ihrer Verortung in Theorie und (künstlerischer) Praxis beschäftigt sich der Vortrag mit einem gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkt am Seminar für Sprechwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das zeitgenössische Theater bietet eine Vielfalt von neuen ästhetischen Konzepten des Sprechens, die in der bisherigen theaterwissenschaftlichen und sprechwissenschaftlichen Forschung nicht in dem vorhandenen Facettenreichtum analysiert wurden. Korrespondierend mit dem von Julia Kiesler initiierten Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“ an der Hochschule der Künste Bern (in das M. Haase im Expertenteam involviert ist) werden in jüngster Zeit Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten in diesem Themenumfeld verfasst, die im Überblick vorgestellt werden. Martina Haase wird eine Einführung in die theoretische Grundlegung und Lösungsperspektiven im Überblick geben. Tim Schüler wird Ergebnisse seiner BA-Thesis Der Regisseur Herbert Fritsch und seine Arbeitsweise mit dem Schauspielertext anhand des Probenprozesses der Inszenierung „ der die mann“ an der Volksbühne Berlin“ vorstellen. Der Vortrag von Anna Wessel gibt Einblicke in sprechwissenschaftliche Fragestellungen zur Probenforschung, die im Promotionsvorhaben „Handlungsstrategien und sprechkünstlerische Realisierungen in Probenprozessen zeitgenössischer Inszenierungen“ (Arbeitstitel) untersucht werden. Mittels Videoaufnahmen soll eine Auswahl an sprecherischen Realisierungen – den sprechkünstlerischen Gestaltungselementen – vorgestellt werden, um anschließend einen Ansatz zur wissenschaftlichen Systematisierung zu erläutern.

Tim Schüler ist Student im BA-Studiengang Sprechwissenschaft am Seminar für Sprechwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Vom 5.1.2015 bis zum 18.2.2015 hospitierte er in den Bereichen Regie und Dramaturgie an der Volksbühne Berlin während der Produktion von „der die mann“ in der Regie von Herbert Fritsch.

  • Schulz, Miklas

Hermeneutiken des Hör-Sinns. Subjektive Aneignungsweisen am Beispiel sprachbasierter Hörtexte. (Vortrag)

Das Feld des Auditiven ist über die reproduktionstechnologischen Möglichkeiten in Bewegung gesetzt. Die fortschreitende Diversifizierung des gegenwärtig verfügbaren, sprachbasierten, auditiven Materials gelangt, angetrieben von der Miniaturisierung der Abspieltechnologien, in neue Situationen und nimmt elementaren Einfluss auf alltägliche Wahrnehmungsweisen. Die Frage drängt sich auf, was dies für – dispositivtheoretisch gedachte – Hörkontexte und für den in ihnen performativ hervorgebrachten Sinn der Sinne bedeutet.
Im Lichte eines praxistheoretisch fundierten „cultural turn“ und im Anschluss an ein „doing culture“ ist davon auszugehen, dass auch die menschliche Sinnestätigkeit ein Phänomen soziokultureller Hervorbringung darstellt.
Im Rahmen meiner im Endstadium befindlichen Doktorarbeit nehme ich mich diesen Entwicklungen an und frage über eine Interviewanalyse nach den in den und durch die Aneignungspraktiken der rezipierenden Personen vollzogenen Hörweisen und den in ihnen durch das „doing perception“ zum Vorschein kommenden Sinn der Sinne, sowie nach Deutungen eigener Sinneswahrnehmung.
Die Hörweisen werden dabei konzeptionell als Resultat eines konfigurational gedachten Zusammenspiels heterogener Elemente entworfen. Dazu  zählen die subjektiv (bedeutungsvoll) angeeigneten Technologien und die über sie geleistete situative Konstruktion von Raum und Zeit, Sinn und Sinnlichkeit ebenso wie die durch die reproduzierten Stimmen generierten und erlebten Atmosphären, die das eigenleibliche Spüren affizieren.
Bei der Aneignung werden drei Varianten auditiver Texte unterschieden: Hörspiel, Hörbuch und informationsbasierte – dem Radio entstammende – Sendungen. In einer historischen Perspektivierung und im Hinblick auf die potentiell vorhandenen Möglichkeiten der Komposition von Stimmen, Musik und Geräuschen lässt sich das Hörbuch mit seinem Verzicht auf solche Konstellierungen als ein eher restauratives Phänomen kennzeichnen, das es gleichzeitig als Gebrauchsauditivum offensichtlich für besonders viele Hörsituationen anschlussfähig macht, in denen nur begleitend gehört wird. Über diesen, das Feld der sprachbasierten Auditivität clusternden Zugang lassen sich Zusammenhänge von dem in den Hörweisen hervorgebrachten Sinn der Sinne und den gewählten Hörsituationen differenziert beschreiben.

Miklas Schulz ist Soziologe, Medien und Kommunikationswissenschaftler und derzeit am Institut für Diversitätsforschung der Georg-August Universität Göttingen beschäftigt.

  • Schulz, Verena

Die Stimme in der antiken Rhetorik. (Plenumsvortrag)

Die öffentliche Rede vor dem Volk, dem Senat oder vor Gericht bot dem Politiker und Anwalt der Antike das entscheidende Forum, auf dem er seine Ansichten präsentieren und durchsetzen konnte. Daher galt der Vortrag auch als das Wichtigste beim Reden und die Stimme als das wertvollste Instrument des Vortragenden. Doch Redner wie Cicero und Demosthenes hatten keine technische Unterstützung. Wenn sie stundenlang vor großen Menschenmassen und ohne Mikrophon sprachen, stellte das gerade an ihre Sprechkunst besondere Anforderungen. Der Vortrag erläutert, wie die antike Rhetorik mit dem Medium Stimme umging. Ausgehend von unseren schriftlichen Quellen wird zunächst überlegt, was die Stimme des Redners alles leisten sollte: Wie wurden z.B. die Gefühle des Redners und sein Charakter stimmlich abgebildet? Im Anschluss wird gezeigt, wie die antike Rhetorik durch Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, z.B. der Schauspielerei, Musik und Medizin ihr Ideal von der Stimme entwickelte und in der Praxis umsetzte.

Verena Schulz ist Postdoktorandin im Fach Latinistik an der LMU München. Nach dem Studium der Allgemeinen Rhetorik, Lateinischen Philologie und Älteren deutschen Sprache und Literatur in Heidelberg, Tübingen und Oxford wurde sie 2012 in München mit einer Arbeit über die Stimme in der antiken Rhetorik promoviert (erschienen als „Die Stimme in der antiken Rhetorik“, Hypomnemata 194, Göttingen 2014). Ein Forschungsschwerpunkt ist weiterhin das Verhältnis zwischen der Rhetorik und anderen antiken Wissenschaften wie der Musik und Medizin: Wie klangen die Redner in der Antike? Worauf haben Politiker wie Demosthenes und Cicero beim mündlichen Vortrag Wert gelegt? Wie haben sie ihre Stimme gepflegt und wer hat sie in ihrem Training für die kraftraubenden Reden ohne Mikrophon und vor großen Menschenmassen im Freien unterstützt? Zuletzt Forschungsaufenthalte in Berkeley, Princeton und Seattle zur antiken Rhetorik und zum Habilitationsprojekt über die Dekonstruktion der Selbstdarstellung exzentrischer Kaiser in der römischen Historiographie.

  • Schwarze, Cordula

Das Hildebrandslied – gesprochen? Gesprochen! Perspektiven auf eine Schnittstelle von Sprechkunst und Mediävistik. (Vortrag)

Ik gihorta ðat seggen,
ðat sih urhettun ænon muotin,
Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem. […]
Das Hildebrandslied (Entstehung ca. 8. Jhd.) erzählt die Geschichte des kriegerischen Aufeinandertreffens von Vater und Sohn. Es ist die älteste deutsche Stabreimdichtung. Da die Gesetze der Stabreimdichtung nicht überliefert sind – dies auch deshalb, weil sie zu ihrer Zeit nicht festgehalten wurden – wurde das Hildebrandslied lange als in Prosa abgefasst angesehen. Weitergegeben wurde das gesprochene Gedicht, also eine Gestaltungsidee, und nicht die formale Anweisung, wie die Dichtung zu sprechen ist. Für ein heutiges Publikum besteht die Herausforderung darin, Zugang zur Sprache sowie zu Rhythmus und Wirkung des althochdeutschen Verses zu finden, während die Geschichte selbst immer noch erzählwürdig und unmittelbar mitreißend ist.
In sprechkünstlerischer Perspektive zeigen sich daher mehrere interessante Aspekte. Zum einen gibt es einen Text, der sich zunächst verschließt, aber erklärt werden kann, um einem heutigen Publikum etwas mitzuteilen. Hierzu ist germanistisch-mediävistische Informiertheit unabdingbar. Zum anderen zeichnen sich die aus den Archiven verfügbaren Sprechfassungen durch eine gewisse ‚Sperrigkeit‘ aus, die einen spezifischen Zugang in der Rezeption erfordert. Einerseits fehlen dafür nicht nur Hörerfahrungen, sondern auch Bewertungsgesichtspunkte, die das Gehörte in einen historischen und ästhetischen Zusammenhang setzen. Andererseits aber können die in der Sprechwissenschaft üblichen Beschreibungskategorien für das Gehörte produktiv angewendet werden, indem die drei Komponenten gesprochener Dichtung – Verse bzw. Metrum, die Klanggestalt als phonische Realisation zu einem bestimmten Zeitpunkt sowie der Sprecher mit seinen individuellen Besonderheiten – für die Analyse einer sprechkünstlerischen Gestaltungsweise präzise ausdifferenziert werden.
Im Vortrag sollen anhand verschiedener Sprechfassungen des Hildebrandsliedes die Vitalität eines Zugangs zur älteren Dichtung über die Gestaltung, den Vers und das Metrum sowie über mediävistisches Wissen aufgezeigt werden. In Anwendungsperspektive zeigt sich hier eine erkenntnisreiche Verbindung von Sprechkunst und Mediävistik, die für die Lehre in der Germanistik produktiv gemacht werden kann.

Cordula Schwarze arbeitet am Institut für Germanistik der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und verantwortet dort als Senior Lecturer den Bereich Sprachpraxis/Theorie und Praxis professionsbezogener schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Sie promovierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit einer gesprächs- und argumentationsanalytischen Arbeit zu Formen und Funktionen von Topoi im Gespräch. Aktuelle Forschungs- und Lehrgebiete sind Rhetorik, Argumentationsforschung, Gesprächsanalyse und Multimodalität in der Interaktion, Wissenschaftliches Schreiben / Textproduktionskompetenz, videobasierte Unterrichtsforschung sowie Methodik und Didaktik von Schreibkompetenz und Rhetorik.

  • Schwenke, Anna 

Formatspezifischer Sprechstil von Radionachrichten. (Vortrag im Panel „Radio-sprechen-hören. Aktuelle sprechwissenschaftliche Forschungen zu Moderation und Nachrichten im Radio.“)

Seit den Anfängen des Hörfunks in Deutschland sind Nachrichten konstituierende Bestandteile des Radioprogramms. Sie gelten als stark normiert und in gewisser Weise typisch. Dennoch gibt es abhängig von Sender, Format oder Sprecherpersönlichkeit eine gewisse Variationsbreite. Heute lassen sich Radionachrichten nicht mehr allein auf ihre reine Informationsfunktion reduzieren. Vor dem Hintergrund zielgruppenspezifischer Formatierung von Radiosendern sowie radiomarktwirtschaftlicher Entscheidungen über Angebot und Produktionsbedingungen von Radionachrichten wird der Status Quo des typischen Nachrichtensprechstils untersucht.

100 Nachrichtensprecher/innen von 31 privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern haben entweder eine leicht oder eine schwer verständlich geschriebene Textvariante einer inhaltlich identischen Nachrichtensendung gesprochen. Sprechstilistische Merkmalsausprägungen (Sprechtempo und Pausendauer, Akzentuierung, Melodiebewegungen, mittlere Sprechstimmlage und Stimmklang) werden auditiv-akustisch analysiert und in einem Kriterienkatalog systematisiert. Vorhandene Regeln zum hörverständlichen Schreiben und Sprechen von Radionachrichten werden empirisch validiert. Zu sprecherabhängigen Faktoren (Ausbildung, Erfahrung sowie weitere Fähigkeiten und Kenntnisse) wurden die Sprecher/innen schriftlich befragt. In einem Hörexperiment wurde anhand der erhobenen Testnachrichten geprüft, wie bzw. ob Hörer/innen lediglich anhand des Sprechstils einen Formatbezug erkennen bzw. benennen können. Im Panel werden erste Ergebnisse in Form eines offenen Werkstattberichts vorgestellt und anhand ausgewählter Beispiele diskutiert.

Anna Schwenke, Dipl.-Sprechwissenschaftlerin, Jahrgang 1984, 2004-2010 Studium Sprechwissenschaft/Phonetik und Deutsch als Fremdsprache an der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg. 2006 bis 2010 wissenschaftliche Hilfskraft und Tutorin am Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der MLU. Seit 2011 Dissertationsprojekt zum Sprechstil von Radionachrichten bei Prof. Dr. Ines Bose an der MLU. Seit 2011 Mitglied des interdisziplinären Forschungsprojektes „Radio Ästhetik – Radio Identität“. Seit 2014 Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrerin und freie Dozentin für interkulturelle Kommunikation in Mecklenburg-Vorpommern.

  • Trauselt, Franziska

Sprecherziehung an Schauspielschulen – ein Erfahrungsbericht aus dem Berufsalltag. (Impulsbeitrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Den Studienabschluss in der Tasche, einen ersten Lehrauftrag ergattert – und nun los! Wohlpräpariert fühlte ich mich für den Berufsalltag der Sprecherzieherin, enthusiastisch stürzte ich mich in minutiöse Stundenvorbereitungen… bis ich das erste Mal an einer Auswertung eines Szenenstudiums teilnahm und mich fragte: „Wovon reden die?“; bis ich merkte, dass ich die Studenten zwar eifrig von einer Übung zur nächsten scheuchte, sich das jedoch kaum nennenswert in ihrer Spontansprache niedergeschlagen hätte; bis ich erfuhr, dass Dozenten des Schauspiels mit meinen Begrifflichkeiten nichts anfangen konnten.  Sprecherzieherin im Schauspiel ist ein wunderbarer Beruf! Aber es bedeutet so viel mehr, als man je in der Ausbildung lernen könnte. Auf Vieles war ich überhaupt nicht vorbereitet, habe das sehr bedauert und möchte deshalb Berufseinsteigern einen kleinen Einblick geben in das, was sie erwarten könnte: Probleme, Zweifel, Freuden, Klippen. Für die Diskussion unter Kolleg/innen will der Gesprächsimpuls die ausbildungspolitische Diskussion anstoßen: Auf was könnte man denn in der Ausbildung vorbereiten – und wie?

Franziska Trauselt: Abschluss Diplomstudiengang Sprechwissenschaft an der MLU Halle, 2002 / seit 14 Jahren Sprecherzieherin an Schauspielschulen (u.a. an der HMT Rostock, seit 2007 an der Otto-Falckenberg-Schule, München) / Lehraufträge für Rhetorik und Sprecherziehung an der Ernst – Moritz – Arndt Universität Greifswald und verschiedenen VHS / freie Tätigkeit als Sprecherzieherin (u.a. Einzel- Coachings für verschiedene Theater und freie SchauspielerInnen)

  • Verhülsdonk, Georg

„Körper und Klang als Spielraum des Schauspielers“ (Praxis-Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Unterrichtseinblick Stimmbildung: Inhalt der Unterrichtsdemonstration ist ein Einblick in die Stimmbildungsarbeit angelehnt an die Lichtenberger® Methode mit Schauspielstudierenden des   1.- 2. Studienjahrs. Auf der Basis der auditiven und taktilen Wahrnehmung kann sich der Kehlkopf mit dem Körpergewebe vernetzen. Es kommt zu sich selbst verstärkenden Rückkopplungsvorgängen. Feine Luft- und Gewebsschwingungen sollen Druckmuster ersetzen und ermöglichen den Zugang zu den Resonanzräumen des Körpers, die sich dem Klang öffnen. Die Projektion der Stimme in den Raum erhält mehr Leichtigkeit. Stimme und Artikulation bekommen mehr Volumen, Flexibilität und Tragfähigkeit. Modulation und Prosodie gewinnen an Raum. In der Folge kann sich das stimmliche Ausdrucksspektrum der gesprochenen Texte erweitern.

Georg Verhülsdonk, Jg. 1953, Sprecherzieher DGSS, Lichtenberger® Stimmpädagoge, Professor für Sprecherziehung an der Alanus Hochschule, Lehrbeauftragter für Sprechen an der Folkwang Universität der Künste in den Studiengängen Schauspiel und Regie, regelmäßiger Gastdozent an der Hochschule f. Musik u. Darstellende Kunst in Frankfurt. Seit 1992 arbeitet er regelmäßig als Stimm- u. Sprechlehrer an deutschen Stadt-u. Staatstheatern. In Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Chr. Paulhofer und Roger Vontobel erarbeitete er Sprechchöre an den Schauspielhäusern Essen, Bochum und Köln.

  • Wessel, Anna (mit Martina Haase und Tim Schüler)

Sprechkunst als akademische Disziplin und das zeitgenössische Theater. (Vortrag im Panel „Aspekte der Sprecherziehung für Schauspieler“)

Sprechkunst als akademische Disziplin im Fächerkanon der Sprechwissenschaft hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie auch permanent die aktuelle künstlerische Praxis reflektiert und untersucht. Daraus ergeben sich Rückschlüsse für die Lehre sowohl im Bereich der Theoriebildung als auch in methodisch-didaktischer Hinsicht (vgl. Haase, M. 2013: Definition und Gegenstand der Sprechkunst. In: Ines Bose et.al.: Einführung in die Sprechwissenschaft. Narr Studienbücher. Tübingen, 177 ff; 190 ff.). Ausgehend von einer Gegenstands- und Standortbestimmung der Sprechkunst und ihrer Verortung in Theorie und (künstlerischer) Praxis beschäftigt sich der Vortrag mit einem gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkt am Seminar für Sprechwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das zeitgenössische Theater bietet eine Vielfalt von neuen ästhetischen Konzepten des Sprechens, die in der bisherigen theaterwissenschaftlichen und sprechwissenschaftlichen Forschung nicht in dem vorhandenen Facettenreichtum analysiert wurden. Korrespondierend mit dem von Julia Kiesler initiierten Forschungsprojekt „Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater“ an der Hochschule der Künste Bern (in das M. Haase im Expertenteam involviert ist) werden in jüngster Zeit Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten in diesem Themenumfeld verfasst, die im Überblick vorgestellt werden.

Martina Haase wird eine Einführung in die theoretische Grundlegung und Lösungsperspektiven im Überblick geben. Tim Schüler wird Ergebnisse seiner BA-Thesis Der Regisseur Herbert Fritsch und seine Arbeitsweise mit dem Schauspielertext anhand des Probenprozesses der Inszenierung „ der die mann“ an der Volksbühne Berlin“ vorstellen. Der Vortrag von Anna Wessel gibt Einblicke in sprechwissenschaftliche Fragestellungen zur Probenforschung, die im Promotionsvorhaben „Handlungsstrategien und sprechkünstlerische Realisierungen in Probenprozessen zeitgenössischer Inszenierungen“ (Arbeitstitel) untersucht werden. Mittels Videoaufnahmen soll eine Auswahl an sprecherischen Realisierungen – den sprechkünstlerischen Gestaltungselementen – vorgestellt werden, um anschließend einen Ansatz zur wissenschaftlichen Systematisierung zu erläutern.

Anna Wessel studierte 2007-2014 Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit 2013 hat sie Lehraufträge für Sprechbildung im MA-Studiengang Oratoriengesang an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle und im BA-Studiengang Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne. Seit dem Wintersemester 2014/15 ist sie Lehrbeauftragte für die Fächer Sprechen und Bühnensprechen an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und leitete am Seminar für Sprechwissenschaft das Masterseminar Sprechwissenschaftliche Aufführungsanalyse. Anna Wessel promoviert derzeit am Seminar für Sprechwissenschaft über Probenprozesse des zeitgenössischen Theaters.

  • Wünsche, Nora (mit Friederike Könitz)

DGSS Schülerrhetorikzertifikat. (Vortrag)

Die mündliche Kommunikation nimmt auch im schulischen Alltag eine immer größere Rolle ein. Die Vielfalt erstreckt sich von mündlichen Präsentationen, Referaten und Prüfungen über Redebeiträge im Unterrichtsgespräche sowie Gruppendiskussionen und -debatten bis hin zu sprechkünstlerischen Formen des Vorlesens, Rezitierens und darstellenden Spiels. Die Schlüsselqualifikationen, die in diesen Bereichen in der Schule erworben werden können, sollen die Schülerinnen und Schüler auf ihr weiteres Leben in Ausbildung, Studium und Beruf vorbereiten. Nicht immer reicht die Zeit im Schulunterricht aus, um die eigene Kommunikationskompetenz zu trainieren. Genau hier setzt das DGSS-Rhetorikzertifikat für Schülerinnen und Schüler an. Es bietet für die Jahrgangsstufen 11 und 12 eine entsprechende Zusatzqualifikation.

Im Vortrag sollen Einblicke in die Kooperation zwischen der Marburger Sprechwissenschaft und den umliegenden Schulen in Form vom DGSS-Rhetorikzertifikat für Schülerinnen und Schüler gegeben werden. Wie hat sich das DGSS-Rhetorikzertifikat in Marburg über die Jahre entwickelt? Wie sehen Planung und Durchführung konkret aus? Welche Inhalte werden wie aufgearbeitet und in welcher Form präsentiert? Welchen Mehrwert haben TeilnehmerInnen? Und was sagen Schülerinnen und Schüler selbst über das Zertifikat?

Nora Wünsche, Studierende des M.A. Speech Science und DGSS Studierende, arbeitet neben dem Studium bei der Aussprachdatenbank der ARD im Hessischen Rundfunk und als studentische Hilfskraft in der Marburger Sprechwissenschaft. Sie ist Mitglied des Studierendenvorstands der DGSS. Als studentische Hilfskraft ist eine ihrer Aufgaben die Koordination der DGSS-Schüler-Rhetorik-Kurse in Marburg und Umgebung.

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